Zähe Personalsuche für Österreichs volle Gefängnisse

18. August 2016, 08:00
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Karriereportal für Justizwache online, 2015 wurden 52 Beamte bei tätlichen Angriffen verletzt – Störsender gegen verbotene Handys

Wien – Die österreichischen Gefängnisse sind voll, die Justiz sucht dringend Personal. Seit einigen Tagen steht dafür ein neues Bewerbungsportal im Netz. Im Frühjahr wurden zusätzliche 180 Planstellen für den Justizvollzug zugesagt. Deren Besetzung läuft schleppend, was man seitens des Justizministeriums mit den hohen Anforderungen begründet.

Der Beruf ist nicht ganz ungefährlich: Im Vorjahr wurden 52 Justizwachebeamte bei tätlichen Übergriffen verletzt. 2014 hatte das Justizministerium 28 Fälle gezählt, heuer bis 20. Juni 22. Das geht aus einer Anfragebeantwortung von Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hervor. Mit 1. Juli waren demnach zudem 3.132 Justizwachebeamte und -beamtinnen in Österreich beschäftigt, 22 Bedienstete in Grundausbildung.

Männervollzug ist voll

Im Schnitt sind Österreichs Haftanstalten zu 94 Prozent belegt. Kapazitäten seien vor allem im gelockerten und im Frauenvollzug frei, im geschlossenen Männervollzug sei alles voll, sagt Josef Schmoll von der Generaldirektion für den Strafvollzug im Gespräch mit dem STANDARD. Insbesondere in Ostösterreich sind die Belegungszahlen hoch – vor allem wegen vieler festgenommener Schlepper: Im Vorjahr waren es 1.090 (2014 noch rund 500).

"Landl" zu 108 Prozent belegt

Die Justizanstalt Wien-Josefstadt war am Mittwoch zu 108 Prozent belegt, wie eine Sprecherin des Justizministeriums mitteilte. Auch Hirtenberg, Graz-Karlau, Salzburg, Wien-Simmering, Sonnberg, Suben, Garsten und Korneuburg waren zu über 100 Prozent belegt.

Ein Problem in den Justizvollzugsanstalten sind oft hineingeschmuggelte Handys: Bundesweit werden dort monatlich rund 60 bis 70 Stück sichergestellt. Derzeit läuft ein Projekt mit Störsendern in Sankt Pölten, ein weiteres soll entweder in Sonnberg oder Graz-Karlau folgen.

Gegen etwaiges Hereinschmuggeln mittels Drohnen sähe man sich dank Videoüberwachung gut gewappnet, wie Schmoll sagt. Dennoch beobachte man den Test eines Drohnenabwehrsystems in Deutschland. (spri, 18.8.2016)

  • Die Videoüberwachung der Gefängnisse sei gut genug, um etwaiges Hereinschmuggeln von Verbotenem mittels Drohnen zu verhindern, heißt es von der Generaldirekton für den Strafvollzug.
    foto: apa/barbara gindl

    Die Videoüberwachung der Gefängnisse sei gut genug, um etwaiges Hereinschmuggeln von Verbotenem mittels Drohnen zu verhindern, heißt es von der Generaldirekton für den Strafvollzug.

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