Wiener Spitäler beharren auf neuen Dienstzeiten

17. August 2016, 15:55
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KAV-Generaldirektor Udo Janßen schließt weitere Reduzierung der Nachtdienste nicht aus

Wien – Deeskalation sieht anders aus. Während die Wiener Ärztekammer seit Mitte Juli die Mediziner der Gemeindespitäler über ihre Streikbereitschaft befragt, zeigt der Krankenanstaltenverbund (KAV) kein Verständnis für den Protest. Der KAV erfülle seinen Teil des Paktes, nämlich die fristgerechte Auszahlung der erhöhten Grundgehälter, seit Juli vergangenen Jahres, betont Generaldirektor Udo Janßen.

Der Streit zwischen KAV und der Standesvertretung köchelt schon seit eineinhalb Jahren. Durch eine Gesetzesnovelle wurde die wöchentliche Arbeitszeit für Ärzte auf 48 Stunden beschränkt, ihr Grundgehalt angehoben und Strukturmaßnahmen im Spitalsbetrieb vereinbart. Darunter fällt laut KAV auch die Reduzierung der Nachtdienste. "Es gibt höhere Gehälter bei kürzerer Arbeitszeit, das bedeutet auch eine Intensivierung", erklärt Janßen. Die Mehrausgaben belaufen sich auf 60 Millionen Euro.

Überstunden reduzieren

Die Ärztekammer beklagt einen Vertragsbruch des Arbeitgebers, denn Umschichtungen in den Tagesbetrieb seien laut Standesvertretung nur mit Begleitmaßnahmen möglich, wie mit zentralen Notaufnahmen und stärkerer Einbindung der niedergelassenen Ärzte. Doch hier gehen die Meinungen auseinander. Janßen zeigt sich mit den neuen Dienstzeitmodellen zufrieden. Man wolle nicht bloß Nachtdienste reduzieren, sondern mehr Leistungen in den Tag verlegen. Das sei durch die Einführung der 12,5 Stunden bereits an einem Drittel der Stationen möglich, bis Oktober sollen die fehlenden Abteilungen das Konzept umsetzen.

Janßen verweist darauf, dass mit der Standesvertretung eine Reduzierung von 135.000 auf 100.000 Nachtdienste pro Jahr vereinbart wurde. Die Etablierung der Zentralen Notaufnahmen zur Entlastung der Fachstationen werde laufend umgesetzt. In den Krankenhäusern Floridsdorf und Hietzing sowie im Wilhelminenspital seien sie schon vorhanden, in der Rudolfstiftung werde daran gearbeitet, und Kaiser-Franz-Josefs-Spital und Donauspital müssten dafür umgebaut werden. Sind alle Notaufnahmen zentral organisiert, sollen laut Janßen die Normalstationen weiter entlastet werden – was sich auch in der Zahl der Nachtdienste äußert. Überstunden will der KAV auf ein "zwingend notwendiges Maß reduzieren".

Die Unzufriedenheit in seiner Belegschaft führt er auf Stimmungsmache der Ärztekammer zurück, da im Frühjahr Wahlen anstünden, sie müsse "eine Wählbarkeit provozieren". Das weist die Standesvertretung in einer Aussendung zurück: Nötig seien Reformen, "und das hat mit Ärztekammerwahlen absolut nichts zu tun, sondern ist ein Gebot der Stunde und vor allem ein Gebot der Vernunft und eine Erfordernis an eine patientengerechte Versorgung der Wiener Patienten im Sinne eines solidarischen Gesundheitssystems". Am Montag liegt das Abstimmungsergebnis der Ärzte vor. (Marie-Theres Egyed, 17.8.2016)

  • Der Krankenanstaltenverbund sieht seinen Teil der Vereinbarung als erfüllt an, die Dienstzeitmodelle müssen umgesetzt werden.
    foto: hendrich

    Der Krankenanstaltenverbund sieht seinen Teil der Vereinbarung als erfüllt an, die Dienstzeitmodelle müssen umgesetzt werden.

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