"Wirtschaftsblatt" – Gewerkschaft befürchtet weitere Kündigungen

17. August 2016, 11:27
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Branchenstiftung gefordert – Kritik an Medienpolitik vom ÖJC – ÖVP: "Medien- und Presseförderung neu denken" – WKÖ hofft auf Weiterbestand

Wien/Graz – Die Einstellung der Tageszeitung "WirtschaftsBlatt" ist ein "schwerer Verlust für die Medienlandschaft" erklärte die Journalistengewerkschaft in der GPA-djp am Mittwoch in einer Aussendung. Der Vorsitzende Franz C. Bauer befürchtet weitere Kündigungen und fordert eine Branchenstiftung. Der ÖJC übte Kritik an der Medienpolitik.

Strukturwandel der Branche

Die Ursachen für die Schließung ortet Bauer im Strukturwandel der Branche sowie in verfehlten Rationalisierungsmaßnahmen der Unternehmensführung. Die stete Ausdünnung der Redaktion sei der "falsche Weg", um ein Medium mit Qualitätsanspruch zu retten, meinte der Gewerkschaftsvorsitzende. Kündigungen würden auch in anderen Medien drohen und daher sei eine Branchenstiftung gefordert. "Die Unternehmen der Branche und die öffentliche Hand sind jetzt aufgerufen, die berufliche Weiterbildung oder, wo gewünscht, Neuorientierung der zahlreichen Betroffenen zu ermöglichen", Bauer.

"verfehlte Medienpolitik"

Auch der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) bedauerte das Ende der Zeitung und sah die "verfehlte Medienpolitik" mit schuld daran. Es zeige sich, dass die Bundespresseförderung in ihrer derzeitigen Form "keinen einzigen Arbeitsplatz sichern kann, sondern nur nimmersatten Medienkonzernen Steuergelder in den Rachen wirft", kritisierte ÖJC-Präsident Fred Turnheim und verwies darauf, dass das "WirtschaftsBlatt" für das Jahr 2015 im Rahmen der "besonderen Förderung zur Erhaltung der regionalen Vielfalt" 544.226,30 Euro Steuergelder bekommen habe.

Initiative Qualität im Journalismus

Dass alle Bemühungen, die Bundespresseförderung auf eine effiziente Basis zu stellen, im Sand verlaufen sind, merkte auch die "Initiative Qualität im Journalismus" (IQ) in einem Statement an. Engelbert Washietl verwies auf die Erklärung der Styria Media Group, wonach die Kosten für den Betrieb vom Markt nicht refinanzierbar seien und sah darin einen "Alarmruf an die Politik".

Warnung vor "Domino-Effekt"

ÖVP-Generalsekretär und Mediensprecher Peter McDonald warnte in einer Aussendung vor einem "Domino-Effekt" bei Printprodukten und hielt fest: "Die Medien- und Presseförderung von morgen muss deshalb neu gedacht werden. Journalistische Qualität und regionale Informationen müssen stärker gewichtet und gefördert werden." Das Ende der Zeitung sei "tragisch und höchst bedenklich", so McDonald mit Verweis auf die Medienpluralität und die Kündigungen.

Rettung und Weiterbestand

Auf die Rettung und einen Weiterbestand des "WirtschaftsBlattes" hoffte indes noch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl: "Im Sinne einer hochwertigen Wirtschafts-Berichterstattung müssen für einen Fortbestand der Zeitung und der dortigen Arbeitsplätze alle Möglichkeiten genutzt werden – verlagsintern oder -extern, etwa über Kooperationen oder Investoren, die das Wirtschaftsblatt weiterbetreiben." (APA, 17.8.2016)

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