Zu wenige Flüchtlingsjobs: Deutsche Firmen wehren sich gegen Kritik

17. August 2016, 10:35
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Regierungsparteien fordern von Konzernen mehr Arbeitsplätze für Flüchtlinge

Berlin – Deutsche Arbeitgeber haben den Vorwurf aus der Politik zurückgewiesen, die Unternehmen täten zur wenig für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. "Jetzt eine Bilanz zu ziehen, wäre, glaube ich, zu früh", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, am Mittwoch dem ZDF-"Morgenmagazin". "Das ist ein Dauerlauf."

Eine Momentaufnahme gebe nicht das gesamte Bild der Realität wider, betonte Kampeter. Die Richtung aber stimme angesichts vieler Bemühungen in Firmen und Verbänden. "Wenn wir uns gemeinsam anstrengen, werden wir das auch gemeinsam schaffen", Schuldzuweisungen würden aber nicht weiterhelfen.

Langer Weg

Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, wehrt sich gegen die Vorwürfe aus der Politik. Die Eingliederung der Menschen sei ein langer Weg, sagte Schweitzer der "Saarbrücker Zeitung".

Von dem Tag, an dem ein Flüchtling deutschen Boden betrete, bis zu dem Punkt, wo er in der Lage sei, eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung anzufangen, vergingen durchschnittlich zwei Jahre, erklärt der DIHK-Präsident. Kernproblem seien die fehlenden Sprachkenntnisse, und deren Erwerb brauche Zeit. "Deshalb gehen auch Vorwürfe ins Leere, die den Betrieben hier zu wenig Engagement unterstellen", sagte Schweitzer.

Gabriel stellte Forderungen

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will laut Medienberichten am 14. September mit führenden Wirtschaftsvertretern darüber sprechen, wie Flüchtlinge besser in Arbeit gebracht werden können. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Mittwoch, er erwarte, "dass die Vorstände der Dax-Konzerne beim geplanten Treffen mit der Bundeskanzlerin konkrete Zusagen machen".

Im Juli hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Chefs der Dax-Konzerne geschrieben und sie aufgefordert, mehr Flüchtlinge einzustellen. Auch die CDU-Politikerin Julia Klöckner forderte die deutsche Wirtschaft zu mehr Anstrengungen auf.

Nach einem Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Anfang Juli hatten bis dahin die großen Dax-Konzerne gerade erst 54 Flüchtlinge eingestellt – 50 davon die Deutsche Post allein. (APA, 17.8.2016)

  • Deutsche Unternehmen fordern von der Politik Geduld.
    foto: apa/may

    Deutsche Unternehmen fordern von der Politik Geduld.

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