Bronze für Segler Zajac/Frank

16. August 2016, 21:51
405 Postings

Thomas Zajac und Tanja Frank haben der österreichischen Medaillenlosigkeit ein Ende bereitet. Der Wiener und die Wienerin segelten am Dienstag in einem packenden Finale zu Bronze in der Nacra17-Klasse

"Wir haben es geschafft", sagte Thomas Zajac. "Wir haben es geschafft", sagte auch Tanja Frank. Sie waren sich schon an Bord in die Arme gefallen, an Land umarmten sie zunächst Georg Fundak, den Sportkoordinator des Segelverbands (OeSV) und dann alle, die ihnen in die Quere kamen. Nach einer Pause von acht Jahren und einem Tag hat Österreich wieder eine Medaille bei Olympischen Sommerspielen gewonnen. Am 15. August 2008 in Peking war Violetta Oblinger-Peters in Peking zu Bronze im Wildwasserslalom gepaddelt. Am 16. August 2016 segelten Thomas Zajac und Tanja Frank zu Bronze in der Nacra17-Klasse.

Zajac (30) und Frank (23), beide aus Wien, behielten im abschließenden Medal Race am Dienstag die Nerven. Sie hatten es nach konstant guten Leistungen in zwölf Wettfahrten als Gesamtdritte erreicht, die Abstände waren allerdings denkbar knapp. Die führenden Argentinier lagen nur sieben Punkte vor, die fünftplatzierten Neuseeländer nur sieben Punkte hinter den Österreichern. Von Gold bis Gau war alles möglich, Zajac/Frank wählten die bronzene Mitte. Sie belegten in der letzten Wettfahrt den dritten Platz hinter den Neuseeländern, denen dieser Sieg nicht mehr helfen sollte, und den Australiern.

Gold ging an den Argentinier Santiago Lange und seine Steuerfrau Cecilia Carranza Saroli, ihnen reichte der sechste Platz im Finale gerade noch. Ihr Vorsprung auf die Australier Jason Waterhouse und Lisa Darmanin sowie auf die Österreicher betrug jeweils nur einen Punkt. Zajac/Frank schlossen als Dritte ab, weil sie weniger Spitzenresultate belegt hatten. Frank: "Wir haben immer an uns geglaubt." Zajac: "Wir sind cool geblieben."

Wunderkind

Seit Ende 2012 sitzen Zajac und Frank in einem Boot, er steuert es, sie kümmert sich als Vorschoterin vorrangig um die Segel – diese Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau ist im Nacra17 die Regel. Die Klasse ist neu bei Olympia, sie versammelt Katamarane, also zweirumpfige, flotte Boote. Frank gilt als Segelwunderkind, schon als knapp Dreijährige war sie auf der Alten Donau unterwegs gewesen, später wurde sie Jugend-Weltmeisterin in der 420er-Klasse, gemeinsam mit Lara Vadlau. Auch an Land hat es Frank manchmal eilig, das ist nicht zuletzt einem IQ von 137 geschuldet. Die erste Klasse Volksschule hat sie übersprungen, mit 14 begann sie auf Anraten der Lehrer nebenbei Biologie zu studieren.

Die Siegerehrung in der 360 x 360 Grad-Kugel-Panorama-Ansicht (Foto: APA/Helmut Fohringer)

Zajac, auch kein unschlauer Kopf, hatte sich lange auf die Tornadoklasse konzentriert und gemeinsam mit Thomas Czajka WM-Silber gewonnen – da segelte just diese Klasse, in der Österreich die zweimaligen Olympiasieger Roman Hagara und Hans Peter Steinacher hervorgebracht hatte, aus dem Olympiaprogramm. Schon Zajac‘ Vater war, für Polen, olympisch gesegelt und 1980 in Moskau auf Rang neun (Soling) gekommen. Der nunmehrige Erfolg des jungen Zajac und seiner Partnerin Frank ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Thomas Zajac war im März 2009 in einer Wiener Kletterhalle 14 Meter tief gestürzt, er brach sich den ersten und zweiten Rückenwirbel, entging knapp einer Querschnittslähmung, lag drei Monate im Gipskorsett. Er kam und segelte zurück, versuchte sich noch kurz und gemeinsam mit Czajka in der 49er-Klasse, sah aber dann mit Frank die größeren Chancen.

Nur eine Medaille?

Zajac/Frank etablierten sich relativ flott in der erweiterten Weltspitze, der ganz große Erfolg hatte sich vor Rio aber noch nicht eingestellt. Einmal waren sie EM-Vierte, einmal WM-Vierte, das war heuer im Februar vor Clearwater in Florida, da hatten sie im Finish "die Medaille weggeworfen", wie Zajac sagte. Sie haben daraus ihre Lehren gezogen und sich am Dienstag auch an die Preolympics 2015 erinnert. Damals hatten sie das Medal Race gewonnen, allerdings lagen sie insgesamt aussichtslos zurück und wurden letztlich Achte. Entscheidend für Bronze war nicht zuletzt eine Aktion in der vorletzten Wettfahrt. Zajac war nach einem Riss seines Trapezes im Wasser gelandet, Frank hatte flink das Steuer übernommen und ihren Partner wieder an Bord geholt.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es in den Segelbewerben und also bei den Spielen insgesamt bei dieser einen Medaille für Österreich bleibt. Die übrigen Boote, mit denen Insider eher gerechnet hatten als mit Zajac/Frank, erlitten Rückschläge. Lara Vadlau und Jolanta Ogar sowie Matthias Schmid und Florian Reichstädter erreichten jeweils im 470er zwar die heutigen Medal Races, die Männer liegen aussichtslos zurück, die Frauen deutlich. Das 49er-Duo Nico Delle Karth/Niko Resch verpassten das Medal Race. (Fritz Neumann aus Rio, 16.8.2016)

Ergebnis

Segeln – Nacra 17 (Endstand nach 13 Wettfahrten/1 Streichresultat): 1. Santiago Lange/Cecilia Carranza Saroli (ARG) 77 Punkte – 2. Jason Waterhouse/Lisa Darmanin (AUS) 78 – 3. Thomas Zajac/Tanja Frank (AUT) 78 – 4. Gemma Jones/Jason Saunders (NZL) 81 – 5. Vittorio Bissaro/Silvia Sicouri (ITA) 84 – 6. Billy Besson/Marie Riou (FRA) 93 – 7. Matias Buhler/Nathalie Brugger (SUI) 100 – 8. Bora Gulari/Louisa Chafee (USA) 106.

Stimmen

Angelo Glisoni (Trainer von Zajac/Frank): "Ich glaube, ich brauche jetzt erst einmal ein paar Caipirinha, um das zu realisieren. Wir haben sehr hart gearbeitet, um dieses Ergebnis zu erreichen, das ist ein Traum."

Karl Stoss (ÖOC-Präsident): "Langes Warten wird belohnt und die professionelle Vorbereitung des Segelverbandes und des Teams. Dass eine Medaillen als Lohn zurückkommt, ist großartig. Es ist eine kleine Überraschung, aber eine großartige Überraschung, wir freuen uns unglaublich mit dem Team. Jetzt geht es für die anderen vielleicht noch lockerer, jetzt ist der Bann gebrochen, jetzt schauen wir nach vorne."

Christoph Sieber (Österreichs Chef de Mission): "Es ist eine riesige Erleichterung für die ganze Sportnation. Die beiden haben eine super solide Regatta gesegelt. Ich bin einfach nur glücklich, dass es funktioniert hat, gerade für die beiden Segler, die ja am wenigsten auf der Rechnung gestanden sind, das ist einfach nur eine Freude."

Peter Mennel (ÖOC-Generalsekretär): "Dass sie mit dem Druck so cool umgegangen sind, nicht so viel riskiert haben und es so gut nach Hause gebracht haben, das war faszinierend. Weil sie genauso gewusst haben, dass sie jetzt eine der Hoffnungen sind, doch noch diese so ersehnte Medaille machen zu können. Von Gänsehaut, über Klotz im Hals bis zu Tränen waren bei uns alle Emotionen dabei. Für uns ist es auch eine Erlösung und eine Bestätigung, dass unsere Leute im Umfeld eine gute Arbeit leisten und geleistet haben."

Hans Peter Doskozil (Sportminister Österreich): "Es war unglaublich spannend bis zur letzten Sekunde. Es ist eine große Erleichterung, dass es geklappt hat. Das ist super, ausgezeichnet, wirklich toll."

  • Beim Jubel darf es auch ein Sprung ins Schmutzwasser sein.
    foto: apa/groder

    Beim Jubel darf es auch ein Sprung ins Schmutzwasser sein.

  • Um sich dann im Erfolg zu suhlen.
    foto: apa/groder

    Um sich dann im Erfolg zu suhlen.

  • Thomas Zajac und Tanja Frank sind "cool geblieben". Die Freude über die Medaille war logischerweise groß. Sofort wurde Trainer Angelo Glisoni umarmt.
    foto: apa/groder

    Thomas Zajac und Tanja Frank sind "cool geblieben". Die Freude über die Medaille war logischerweise groß. Sofort wurde Trainer Angelo Glisoni umarmt.

  • Die Medaillenfeier.
    foto: apa/fohringer

    Die Medaillenfeier.

Share if you care.