Deutscher Vizekanzler Gabriel nennt Pension mit 69 "bekloppte Idee"

16. August 2016, 19:38
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Deutsche Zentralbank hatte schrittweise Anhebung des Pensionsalters zwischen 2030 und 2060 vorgeschlagen

Essen – SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Vorschläge aus der Bundesbank für eine Pension erst ab 69 Jahren entschieden zurückgewiesen. "Ein Facharbeiter, eine Verkäuferin, eine Krankenschwester, eine Altenpflegerin hält das für eine bekloppte Idee. Ich auch", sagte der Vizekanzler und Wirtschaftsminister am Dienstag bei einem Besuch der stillgelegten Zeche Zollverein in Essen.

Wirtschaftspolitiker der Union begrüßten dagegen den Vorschlag der Zentralbank, das Pensionseintrittsalter zwischen den Jahren 2030 bis 2060 schrittweise auf 69 Jahre zu erhöhen. Der Wirtschaftsrat der CDU sprach von einem wegweisenden Vorstoß.

Als Banker bei der Zentralbank könne man auf solche Ideen kommen, sagte Gabriel. "Das sind alles Leute mit hohem Einkommen, geringer körperlicher Belastung, einer hohen Lebenserwartung und sehr großen Renten."

Positive Signale auf der CDU

Die Bundesbank hatte ihren Vorschlag am Montag in ihrem Monatsbericht damit begründet, dass ein weiteres Absinken des Pensionsniveaus nach 2030 durch eine längere Lebensarbeitszeit verhindert werden könne. Derzeit ist eine Alterspension ohne Abschläge mit 65 Jahren und fünf Monaten möglich. Bis 2029 steigt die Grenze auf 67 Jahre. Wer 45 Versicherungsjahre aufweist, kann mit 63 Jahren ohne Abzüge von der Pension in den Ruhestand gehen.

Der Wirtschaftsrat der CDU erklärte, die umlagefinanzierte soziale Sicherung sei dem demografischen Wandel nur gewachsen, wenn das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern "halbwegs im Lot" bleibe. "Falls wir nicht wollen, dass entweder die Pensionen der Älteren drastisch sinken oder die Beitragssätze der Erwerbstätigen dramatisch ansteigen, bleibt allein eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit als Lösung", erklärte der Generalsekretär des Verbandes, Wolfgang Steiger. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs hatte schon tags zuvor per Twitter erklärt: "Die Zahlen der Bundesbank machen eines klar, ein Anstieg des Renteneinstiegsalters ist notwendig!". (Reuters, 16.8.2016)

  • Der SPD-Chef findet die Idee, mit 69 Jahren in Pension zu gehen, bekloppt.
    foto: reuters/stefanie loos

    Der SPD-Chef findet die Idee, mit 69 Jahren in Pension zu gehen, bekloppt.

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