"Wirtschaftsblatt" wird Anfang September eingestellt

16. August 2016, 21:38
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Entscheidung "leider unumgänglich" – Styria will sich stattdessen auf "Presse" konzentrieren und digitalen Bereich ausbauen

Wien – Das "Wirtschaftsblatt" wird mit Anfang September in seiner jetzigen Form eingestellt. Wie die Verlagsgesellschaft Styria am Abend in einer Presseaussendung bekanntgab, soll die letzte Ausgabe der Wirtschaftstageszeitung voraussichtlich am 2. September erscheinen. Man werde sich, wie es weiter heißt, stattdessen voll auf die "Presse" konzentrieren, die im gleichen Verlag erscheint. Zudem soll es Investitionen in den digitalen Bereich geben.

Von der Einstellung unmittelbar betroffen sind 66 Mitarbeiter. Sie wurden laut der Aussendung bereits "in persönlichen Gesprächen" und im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung informiert. Es werde mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandelt. Markus Mair, der Vorstandsvorsitzende der Styria Media Group, spricht in der Aussendung von "einer Entscheidung, die wir sehr bedauern," die aber "leider unumgänglich" sei.

Auch Online-Auftritt wird eingestellt

Wie Betriebsratsvorsitzender Herbert Geyer der APA sagte, werden nun sämtliche 66 betroffenen Mitarbeiter vom Unternehmen zur Kündigung angemeldet. Es handle sich mehrheitlich um Redakteure, aber auch um Techniker, Layouter, Grafiker, Fotografen und kaufmännisches Personal. Auch der Online-Auftritt werde eingestellt.

Zuvor hatte sich der Betriebsrat Dienstagabend in einer schriftlichen Stellungnahme "unendlich traurig" über die bevorstellende Einstellung der Styria-Zeitung gezeigt. "Der Versuch, die Kosten schneller herunterzufahren als die Umsätze und Leserzahlen, ist gescheitert", hieß es darin. "Wir appellieren an die überlebenden Konkurrenten, sich so rasch wie möglich das verbleibende Personal des 'Wirtschaftsblatts' zu sichern."

Einzige Überlebenschance Qualität

Das Scheitern sei absehbar gewesen. Der Betriebsrat habe seit Jahren darauf hingewiesen, dass das "Wirtschaftsblatt" kein Ausgaben- sondern ein Einnahmenproblem hatte und dass daher Investitionen und vermehrte Verkaufsanstrengungen nötig gewesen wären, um eine kritische Masse an Lesern und dadurch auch einen entsprechenden Anteil am Inseratenkuchen zu erreichen. Statt dessen habe die kaufmännische Führung speziell seit 2009 vor allem versucht, auf der Kostenseite anzusetzen.

Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, sagt im Gespräch mit dem STANDARD, er fürchte, dass die Arbeitslosigkeit bei Journalisten im Herbst deutlich ansteigen werde. Die Ursache sieht er in einer verfehlten Sparpolitik der Medienunternehmen: "Sparen hat bedeutet, die teuren Leistungsträger abzubauen." Darunter habe auch beim Wirtschaftsblatt die Qualität gelitten – "obwohl die einzige Überlebenschance die Qualität ist".

Bei Styria sieht man das anders: Im Zuge von mehreren Restrukturierungs- und Einsparungsetappen sei es in den letzten Jahren gelungen, die Verluste des Wirtschaftsblatts deutlich zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Zeitung aufrecht zu erhalten. Ein Ausblick auf die Marktlage zeige aber klar, dass die Kosten des Betriebs auch künftig nicht vom Markt refinanzierbar seien.

Es bleiben der Styria "Presse" und "Kleine Zeitung"

Herwig Langanger, Geschäftsführer von "Presse" und "Wirtschaftsblatt", erklärte ebenfalls schriftlich, man werde "mit voller Kraft die Wirtschaftsberichterstattung der 'Presse' weiter ausbauen und mit einem erweiterten Angebot ein klares Signal an die Unternehmen in Österreich aussenden". Dank gelte "allen Mitarbeitern, die stets mit großem Einsatz und viel Leidenschaft für das 'Wirtschaftsblatt' gearbeitet haben."

Mit der "Presse" und der "Kleinen Zeitung" sei die Styria weiterhin ein starker Player am österreichischen Tageszeitungsmarkt. Investments in diese Marken sowie der weitere Ausbau der von ihnen gehaltenen Marktpositionen seien nun die vorrangigen Ziele.

Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) meldete sich zur Angelegenheit ebenfalls via Aussendung zu Wort, der die Einstellung bedauert. "Besonders schmerzt diese Entscheidung in Hinblick auf die Arbeitsplätze, die dadurch verloren gehen", so Drozda. "Umso wichtiger ist es, dass wir nun im Herbst mit der Presseförderung Neu zügig voran kommen. Es kann und wird dabei nicht um die Etablierung eines Instruments der Verlustabdeckung gehen, sondern vielmehr darum, Kriterien wie die Qualität von Journalismus und die Ausbildung zu fördern.

Späte Gründung

Die überregionale Tageszeitung mit dem Schwerpunkt Wirtschaft in Österreich hatte es seit Oktober 1995 gegeben. Sie war zuletzt wochentags laut Zahlen der Media Analyse (2015) von insgesamt 82.000 Personen gelesen worden.

Damit lag das "WirtschaftsBlatt" österreichweit gesehen im Vorjahr bei 1,1 Prozent Reichweite, die Freitagsausgabe kam auf 1,2 Prozent. Für das zweite Halbjahr 2015 meldete die Zeitung heuer noch einen Abo-Anstieg über 16 Prozent auf 16.060. Die verkaufe Auflage lag da laut ÖAK (Österreichische Auflagenkontrolle) bei 20.380 Stück. Unter den Lesern zählten 28,9 Prozent zu den sogenannten Alleinentscheidern. Unter den Bestverdienern mit einem Nettoeinkommen von 4.000 Euro oder mehr erreichte das WirtschaftsBlatt eine nationale Reichweite von 6,3 Prozent. (cs, APA, 16.8.2016)

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    foto: apa/harald schneider
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