Förderprogramm: Unternehmer mit sozialem Fußabdruck

16. August 2016, 17:57
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Ein neues Förderprogramm des Sozialministeriums soll sozialen Unternehmen eine Anschubfinanzierung bieten

Wien – Unternehmerische und soziale Interessen stehen sich bekanntlich oft entgegen; das muss aber nicht so sein. Mit dem Begriff Social Business werden jene Unternehmen bezeichnet, die eine positive gesellschaftliche Wirkung als oberstes Ziel haben, freilich ohne dabei auf die Erwirtschaftung von Markteinkünften zu vergessen. Mit dem neuen Förderprogramm von Sozialministerium und der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung "AWS Social Business Call" soll künftig genau diesen Unternehmen erstmals eine Anschubfinanzierung geboten werden. Abgewickelt wird das Programm von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS).

"Innovation hat in Österreich eine lange Tradition", sagte Markus Hengstschläger vergangene Woche anlässlich der Präsentation des neuen Programms. Das reiche zurück bis zu den Überlegungen des österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter und dessen Beiträgen zum Innovationsbegriff Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Genetiker Hengstschläger ist stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, auf dessen Empfehlungen das neue Programm entwickelt wurde.

"Der Innovationsbegriff hat sich in den letzten Jahren allerdings verengt", merkte Hengstschläger kritisch an. Heute verstehe man darunter vor allem Produkte, die am Markt Geld bringen – dabei müsse eine Innovation nicht notwendigerweise ein verkaufbares Produkt sein. Auch neue Konzepte, die einen sozialen Mehrwert bringen, will Hengstschläger als Innovationen verstanden wissen: "Es geht darum, einen sozialen Fußabdruck in Österreich zu hinterlassen." Dazu soll die neue Initiative einen Beitrag leisten.

Kein Ersatz für Sozialsystem

Das Förderprogramm besteht aus zwei Modulen, insgesamt stehen drei Millionen Euro zur Verfügung. Das Modul des Sozialministeriums ist auf die Reintegration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt ausgerichtet. Beim Modul der Nationalstiftung geht es darum, Social Businesses in bestimmten Bereichen zu fördern, etwa im Gesundheitsbereich oder in der Integration. Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführerin der AWS, betonte das Potenzial, das es für Social Business in Österreich gebe, stellte aber gleichzeitig fest: "Es ist völlig klar, dass Social Businesses kein Ersatz für das öffentliche Sozialsystem sein können, sie können es nur stärken."

Bis zu 100.000 Euro werden an ein Unternehmen ausgezahlt – im Sinne einer Anschubfinanzierung, nicht als laufende Subvention, sagte Stiftinger. Entscheidungskriterien der Jury bei der Vergabe der Fördermittel seien in erster Linie das Geschäftsmodell, aber auch das Gründungs- oder Unternehmensteam.

Hebelwirkung

Stiftinger wünscht sich eine Hebelwirkung durch das neue Förderprogramm und nannte als positives Beispiel die Life Sciences: Ein Euro aus öffentlichen Mitteln würde dort mit fünf Euro aus privaten Mitteln verstärkt werden.

Auch Günter Thumser, Vizepräsident der Industriellenvereinigung (IV) Wien begrüßt die neue Initiative: "Wir sind überzeugt, dass erfolgreiche Unternehmer eine intakte Gesellschaft brauchen. Unternehmer sind starke Treiber und Problemlöser für Herausforderungen. Es geht nicht nur darum, möglichst viel Geld zu verdienen." Viele Unternehmer in Österreich wollten seiner Einschätzung nach diese gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, "können es aber noch nicht ausleben". Es gehe darum, zwei Welten zu verbinden – kapitalistische Erwerbsgesellschaft und soziale Aspekte. Thumser plädierte für einen "breiteren, positiveren Zugang zum Thema Unternehmertum". (trat, 16. 8. 2016)

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