Neue Testmethode soll toxikologische Tierversuche ersetzen

19. August 2016, 15:56
7 Postings

Deutsche Forscher arbeiten an Verfahren, mit dem die Schädlichkeit chemischer Substanzen ohne Tiergefährdung getestet werden kann

Hannover – Wie kann man den potenziell schädlichen Einfluss chemischer Substanzen auf die Entwicklung des Menschen testen, ohne dabei Mensch oder Tier zu gefährden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH): Sie entwickelten gemeinsam ein neues Testverfahren, das ohne Tierversuche auskommen soll.

Mit der neuen Methode könnten beispielsweise Industriechemikalien oder Pflanzenschutzmittel auf ihre neurotoxischen Eigenschaften hin getestet werden, wie die Institutionen mitteilten. Das Testverfahren wurde an einem Insektenembryo entwickelt und in der Folge mit einem hochpräzisen 3D-Bildgebungsverfahren kombiniert. Dabei werden Störungen erfasst, die von Chemikalien in Pionierneuronen – sogenannten Wegweiserzellen – verursacht werden.

Das Wachstum der Nervenfasern zum zentralen Nervensystem ist bei diesen Neuronen verändert. In ihren feststehenden Entwicklungsmustern lassen sich Defekte im Ablauf der Bildung von Nervenzellen, der Zellwanderung und des Zelltods ablesen. Dank moderner Bildgebungsverfahren lassen sich diese Entwicklungen präzise analysieren.

Toxikologische Tests

Zur Anwendung soll das Verfahren künftig in der Grundlagenforschung und im sogenannten vorregulatorischen Bereich zur Feststellung von toxikologisch relevanten Substanzen kommen. So könnten Tierversuche innerhalb der Testreihen im Vorfeld einer Chemikalien-Zulassung ersetzt werden, wie die TiHo in einer Aussendung mitteilte. Mithilfe der Methode könne auch untersucht werden, ob von einzelnen Chemikalien oder der Kombination verschiedener Stoffe eine Gefährdung für die pränatale oder frühkindliche Entwicklung ausgeht.

Darüber hinaus ließe sich das Testverfahren auch bei der Entwicklung von Arzneimitteln einsetzen. Hier könnte es ethisch bedenkliche sowie kostspielige Testreihen im Rahmen von Tierversuchen ergänzen oder langfristig sogar ersetzen, sind die Forscher überzeugt. (red, 19. 8. 2016)

Share if you care.