Nachbar der KZ-Gedenkstätte Loibl: "Ich bin ja nur ein Jäger"

17. August 2016, 05:30
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Grundbesitzer entfernt Hochsitz neben Gedenkstätte in Kärnten, weil er seine Ruhe haben will. Peter Gstettner vom Mauthausen-Komitee: "Österreichische Lösung"

Klagenfurt – Jener Hochsitz, der direkt neben der KZ-Gedenkstätte Loibl steht und seit fast einem Jahr für Unbehagen und Streit sorgte – DER STANDARD berichtete –, soll nun entfernt werden. Der Besitzer des Grundstücks in Kärnten, der steirische Unternehmer Hermann Harg, will ihn jetzt entfernen.

Er verstehe zwar nicht, "wie irgendjemand auf die Idee kommen kann, dass ein Hochsitz ein KZ-Wachturm ist", sagt Harg, "aber ich will meine Ruhe haben. Ich bin ja nur ein Jäger und keine kriegsführende Partei." Zuvor hatte der Mann noch jene vermummten Antifa-Aktivisten, die nach eigenen Angaben die Leiter des Hochsitzes entfernt und ein Transparent angebracht hatten, Harg zufolge den Hochsitz aber lebensgefährlich angesägt hätten, öffentlich eingeladen, mit ihm den Hochsitz abzubauen.

"Das wäre eine Win-win-Situation: Der Hochsitz ist weg, und Ihre Muskeln gestärkt", meinte der Grundbesitzer. Auch ein anschließendes Bier und den Rückzug seiner Anzeige bot er an. Doch die Aktivisten meldeten sich bisher nicht bei ihm. Sie kommunizieren ansonsten über die Facebook-Seite "Autonome Antifa Kärnten/Koroška". "Wenn der Hochsitz weg ist, ist es halt zu spät", sagt Harg.

"E-Mails nicht beantwortet"

"Es ist eine österreichische Lösung, aber ich bin eh nicht unzufrieden, Hauptsache, der Hochsitz kommt weg", sagt der Gründer des Mauthausen-Komitees Kärnten, Peter Gstettner, zu der neuen Entwicklung. Er hätte sich aber gewünscht, dass der Druck auf den Grundbesitzer von Innenministerium und der Kulturabteilung des Landes Kärnten gekommen wäre "und nicht von einer Antifa-Aktion", so Gstettner zum STANDARD. Doch die Kulturabteilung habe nicht einmal seine E-Mails beantwortet. Man solle jetzt auch "nicht alles auf Harg abladen", findet Gstettner.

Wie berichtet brachten zuletzt die Grünen eine parlamentarische Anfrage an das Innenministerium ein. Letzteres hatte daraufhin auf STANDARD-Nachfrage betont, ohnehin schon seit Oktober 2015 wegen der Causa Gespräche mit allen Seiten geführt zu haben.

"Verstehe mich mit allen Nachbarn gut"

Grundbesitzer Harg, der erzählt, dass er auch mit einem Beamten des Innenministeriums zur Jagd gehe, meint zudem, es hätte schon im Juni "gute Gespräche und eine Einigung mit allen gegeben". Er willigte ein, den Ausguck am Hochsitz zu schließen und den ganzen Turm mit Tannenzapfen und Ähnlichem zu tarnen. Jetzt stelle er den Hochsitz eben woanders hin. Doch mit der guten Nachbarschaft mit der Gedenkstätte habe es ein Ende, so Harg: "Ich verstehe mich mit allen Nachbarn gut, das sind alles Kärntner Slowenen und sehr liebe Leute. Aber bei der nächsten Gedenkfeier lasse ich bei mir niemanden mehr parken." Das Angebot für Abbau und Bier stehe aber noch. (Colette M. Schmidt, 17.8.2016)

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    foto: antifa
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