Deutscher Verfassungsschutz: Mehr "Stille SMS" zur Ortung

16. August 2016, 13:01
8 Postings

Neue Zahlen des Innenministeriums zeigen häufige Nutzung des umstrittenen Ortungsmechanismus

Deutsche Behörden setzen weiterhin stark auf sogenannte Stille SMS. Dabei wird eine Kurznachricht an das Smartphone der Zielperson geschickt, die diese allerdings nicht sieht. Durch den Versandvorgang kann das Smartphone dann lokalisiert werden. Insgesamt nutzten deutsche Behörden diese Möglichkeit in mindestens 210.000 Fällen, wie eine Anfragebeantwortung im deutschen Bundestag zeigt.

Beobachtung von Jihadisten

Eine starke Zunahme gab es vor allem beim Bundesamt für Verfassungsschutz, das 60 Prozent mehr Stille SMS als im Halbjahr zuvor versandte. Das könnte an der Beobachtung von Jihadisten liegen, mutmaßt der Abgeordnete Andrej Hunko (Die Linke) gegenüber Netzpolitik.org. Auch die Bundespolizei fällt mit einem stattlichen Plus bei Stillen SMS auf. Hunko befürchtet, dass damit "Fluchthelfer" ins Visier genommen werden. Weniger Stille SMS versandte hingegen das Bundeskriminalamt.

Keine Stille SMS in Österreich

Für BND und Zoll gibt es keine Zahlen. In Österreich kommen Stille SMS nicht zum Einsatz. Das gab das Innenministerium vor wenigen Monaten bekannt. Die Methode ist umstritten. Datenschützer argumentieren, dass sich Behörden durch den Ortungsmechanismus aktiv in den Beschaffungsvorgang einmischen und dadurch die Ergebnisse im Unterschied zu einer reinen Überwachung beeinflussen. (red, 16.8.2016)

  • Deutsche Behörden setzen nach wie vor auf Stille SMS
    foto: apa/dpa/tittel

    Deutsche Behörden setzen nach wie vor auf Stille SMS

Share if you care.