Olympia: Geschminkt oder ungeschminkt

Kolumne16. August 2016, 14:06
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Turnen, Leichtathletik, Synchronschwimmen oder Beachvolleyball: Jede Sportart scheint ihr ganz spezielles Verhältnis zu Make-up zu haben – eine Rundumschau

Und irgendwie bin ich dann reingekippt in die Olympischen Spiele. Egal was, egal wer: Da wird der Fernseher zur Entdeckungsreise für Sportarten, die man noch nie gesehen hat (Radfahren in der Halle), für Sportler, von denen man noch nie gehört hat (Charlotte Dujardin im Dressurreiten,) oder für Körper in schierer Perfektion (Wasserspringen, Leichtathletik, Beach-Volleyball).

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Im Bild die japanischen Synchronschwimmerinnen Yukiko Inui und Risako Mitsui: roter Lidschatten, Mascara und rote Lippen – hundert Prozent wasserfest.

Was ich mir in jedem Fall denke: Wow, so viel Körpereinsatz, so viel Schweiß und so viel Tränen! Bei den Turnerinnen zum Beispiel: Da bleiben die Augen oft an den Gesichtern der Sportlerinnen hängen – und da schau her: Bei den Turnerinnen dürften auch Make-up-Artisten in den Garderoben werken, die sämtliche Tricks der Schminkkunst beherrschen. Der Lidschatten von Simone Biles glänzte im Blitzlichtgewitter fast mehr als die Medaille.

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Die Olympiasiegerin im Turnen, Simone Biles, trägt gerne viel Glitzer um die Augen

Bei den Turnerinnen scheint Make-up hoch im Kurs zu sein: Die schönsten Smokey Eyes der Olympischen Spiele hat ganz sicher Alija Mustafina. Sie sind auch dann schön, wenn sie kopfüber am Stufenbarren hängt. Und die Chinesin Shang Chunsong trug sensationellen blitzblauen Kajal – wie sonst nur die Modells auf dem Pariser Laufsteg.

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Die russische Turnerin und Olympiasiegerin Alija Mustafina trägt gerne dramatische Smokey Eyes. Plus (fast) perfekte Brauen.

Turnen scheint also eine Make-up-Sportart zu sein. Vielleicht nur übertroffen durch die Synchronschwimmerinnen, die fast schon eine Art Bodypainting betreiben. Hundert Prozent wasserfest – fast würde ich mir wünschen, beim Abschminken ein Mal dabei sein zu dürfen.

Wer in die Leichtathletik umschaltet, erkennt: Hier sind Fingernägel ein Thema. In Rio 2016 dominiert Nail-Art in unterschiedlichen Varianten: Mal ist es Glitzer, mal reinweiß, mal zieren kleine Bildchen oder winzige Flaggen-Elemente die Hände.

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Shelly-Ann Fraser-Pryce, Olympiasiegerin im 200-Meter-Lauf, ist auch beim Schminken patriotisch: Nicht nur die Haare, auch die Fingernägel orientieren sich an der Flagge Jamaicas.

Und sie kommen bei den Läuferinnen immer ganz zentral ins Bild. Mein Lieblingsbewerb in Sachen "geschminkte Leichtathletinnen": 400 Meter-Hürden der Damen.

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Die Amerikanerin Natasha Hastings ist schminktechnisch die Siegerin im 400-Meter-Lauf der Damen. Lila ist die Herbstfarbe bei Lippenstiften.

Doch nicht nur die Läuferinnen, sogar an sich leicht männlich wirkenden Diskuswerferinnen tragen Nagellack. Anita Wlodarczyk zum Beispiel: Im Bewerb selbst noch unlackiert, hatte sie sich zur Feier der Siegerehrung schick gemacht.

Doch dann gibt es Sportarten, da scheint Make-up eher verpönt zu sein. Die Beachvolleyballerinnen zum Beispiel treten alle insgesamt ungeschminkt auf.

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Beim Beachvolleyball sind die Athletinnen zum größten Teil ungeschminkt. Im Bild: die Deutsche Laura Ludwig.

"Nude" würde man im Fachjargon zu einem Look wie dem von Laura Ludwig, der deutschen Beachvolleyballmeisterin, sagen. Vielleicht liegt es daran, dass es zwar wasser-, schweiß- und tränenfestes Make-up gibt und "Sandfestigkeit" noch nicht erfunden wurde. Könnte ja klebenbleiben. Oder die Mädels sind einfach total uneitel. Nach dem Motto: Ein schöner Körper ist genug. (Karin Pollack, 16.8.2016)

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