Warum Apple seinen Macbooks Touchscreens spendieren sollte

17. August 2016, 12:32
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In einem ausführlichen Essay plädiert der Apple-Kenner Tom Mainelli für touch-fähige Macs: Apple hinke hinterher

Direkt auf Bildschirmen zu schreiben, zu scrollen oder Inhalte anzuklicken ist mittlerweile Usus. Mit dem rapiden Anstieg der mobilen Nutzung von Geräten fand auch der Touchscreen eine massive Verbreitung. Neben Smartphones sind es etwa Tablets, die ganz auf interaktive Displays setzen. Aber auch immer mehr Windows-Laptops integrieren eine Touch-Funktion. Große Ausnahme bleibt Apple, bei dessen Macs immer noch die Devise "Can’t touch this" vorherrscht.

Das hat nun Tom Mainelli, Mitarbeiter beim Marktforschungsinstitut IDC, in einem langen Beitrag heftig kritisiert. Er denkt, dass Apple der Konkurrenz hinterherhinke und einen wichtigen Trend verpasse. Mainelli zieht Parallelen zu großen Smartphones, sogenannten Phablets, gegen die sich Apple auch lange wehrte – nur um dann mit dem größeren iPhone 6 beeindruckende Verkaufserfolge zu feiern.

Blick über den Tellerrand

Wenn Mac-Nutzer wüssten, wie gut Touchscreens bei Windows-Laptops mittlerweile funktionierten, würden sie viel mehr wegen deren Fehlen bei Macbooks protestieren, sagt Mainelli. Er glaubt, dass viele User ausschließlich mit Macs arbeiten und keinen Blick über den Tellerrand wagen. Mainelli selbst nutze aus beruflichen Gründen mehrere Laptops, wobei drei Geräte über einen Touchscreen verfügen. Dazu komme dann noch sein älteres Macbook.

Nutzungsgewohnheiten ändern sich

"Die nächste Generation an Nutzern wird einen Laptop ohne Touchscreen inakzeptabel finden", schreibt Mainelli in seinem Essay, der auf "Recode" veröffentlicht wurde. Tatsächlich entwickelten sich Laptops mit Touchscreen von teils unausgereiften und dadurch frustrierenden Geräten zu flüssig funktionierenden Laptops. Microsoft setzt in seiner Werbekampagne nun sogar schon explizit auf die fehlende Touchscreen-Fähigkeit bei Apple, wenn es heißt: "Ein Mac kann das nicht."

Umstellung nötig

Natürlich wäre es für Apple eine Umstellung, Macbooks mit einem Touchscreen zu versehen: Der Konzern müsste dann für eigene Programme und Drittanbieter neue Bedienungsmöglichkeiten entwickeln. Allerdings hat Apple durch die Verzahnung von Hardware und Betriebssystem sowie die Erfahrungen im mobilen Bereich gute Startvoraussetzungen. Die Vernachlässigung der Mac-Sparte ist mittlerweile evident. Zahlreiche Apple-Fans beschweren sich mittlerweile über die veralteten Modelle, die noch immer angeboten werden. Manche Geräte warten schon mehrere Jahre auf eine aktualisierte Version.

Allerdings könnte es auch sein, dass Apple weiterhin das iPad als Gerät für mobiles Arbeiten forcieren will und daher absichtlich auf einen Touchscreen bei Macs verzichtet. Diese Wahl könnte man jedoch Kunden überlassen. "Ich finde es mittlerweile nicht mehr witzig, wenn ich mich beim Anklicken meines Macbook-Displays erwische", so Mainelli abschließend. In Apple-Foren hat seine Kritik jedenfalls für einige Zustimmung gesorgt. (fsc, 17.8.2016)

  • Macbooks entziehen sich (noch) dem Trend der Touchscreens
    foto: ap/matthews

    Macbooks entziehen sich (noch) dem Trend der Touchscreens

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