Die Karte, die zeigt, wie Clinton Präsidentin wird

Infografik18. August 2016, 07:06
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Umfragewerten aus den US-Bundesstaaten zufolge verfügt die demokratische Kandidatin über die notwendige Mehrheit

Georgia also. Jenen Bundesstaat im Südosten der USA hat Hillary Clintons Wahlkampfteam derzeit vorwiegend im Auge: Georgia ist der Bundesstaat, den die Demokraten seit dem Sieg von Hillary Clintons Ehemann Bill im Jahr 1992 nicht mehr für sich gewinnen konnten. Doch derzeit führt die demokratische Anwärterin aufs Weiße Haus dort, die aktuellsten Umfragen sehen sie vor ihrem Konkurrenten aufseiten der Republikaner, Donald Trump. Während dieser noch wenige Mitarbeiter in Georgia hat, baut Clinton deshalb ihr Team dort gerade massiv aus. Denn die Präsidentschaftswahlen, die werden in den USA in den Bundesstaaten entschieden.

Schließlich ist es nicht das Volk, das den amerikanischen Präsidenten direkt wählt, sondern das "Electoral College", jenes exakt 538 Mitglieder umfassende Gremium aus Wahlmännern und Wahlfrauen, das alle vier Jahre nur eine einzige Aufgabe – eben die Wahl des Präsidenten – kennt. Die 538 Wahlmänner und -frauen werden aus den 50 Bundesstaaten entsandt, und zwar jeweils so viele, wie ein Bundesstaat Vertreter und Vertreterinnen in beiden Häusern des Kongresses, des US-Parlaments, hat. Bevölkerungsreiche Bundesstaaten erhalten also mehr Wahlmänner- und -frauen und damit letztlich auch mehr Gewicht bei der Wahl des Präsidenten als bevölkerungsarme Bundesstaaten. Das bedeutet auch, dass nationale Umfragewerte weniger wichtig sind als jene in den Bundesstaaten selbst – und laut denen sieht es für Clinton ziemlich gut aus.

Kalifornien etwa verfügt über 55, North Dakota nur über drei. In 48 Staaten gilt die Regel, nach der sämtliche Stimmen an den Kandidaten gehen, der die Mehrheit der Stimmen erhält. Nur in Maine und Nebraska werden die Stimmen proportional zum Wahlergebnis geteilt.

Laut den Ergebnissen vom News- und Meinungsumfragen-Aggregator Real Clear Politics (RCP), die sich auf eine Vielzahl von Umfragen stützen, tendieren die meisten wichtigen Bundesstaaten zu Clinton: Die Demokratin kommt demnach jetzt schon (Stand 17.8.2016) auf eine Mehrheit von 272 Stimmen – für einen Sieg sind mindestens 270 notwendig.

Je nach Größe des Abstands zwischen den beiden Kandidaten – inklusive Berücksichtigung der Fehlermarge – weist RCP den einzelnen Staaten eine Tendenz zu – also beispielsweise sichere Unterstützung eines Kandidaten oder eine starke oder leichte Tendenz hin zu einem Kandidaten. Liegen die beiden Bewerber allerdings zu nahe beieinander, gelten die Elektorenstimmen als noch offen. Georgia mit seinen 16 Wahlmännern und -frauen ist so ein Fall, weshalb Clintons Team sich nun darauf konzentriert.

Vergleicht man nun die Staaten, die seit den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 zuverlässig jeweils an eine Partei gingen, dann stehen die Demokraten eindeutig besser da: Demnach kommen auf sie 242 Stimmen im Electoral College, auf die Republikaner 179. Wenn nun jene Staaten, die auch bei den vergangenen drei Wahlen demokratisch gewählt haben, erneut demokratisch wählen, und wenn Clinton etwa Florida – mit seinen 29 Wahlmännern und -frauen – dazugewinnt, dann ist sie Präsidentin.

Als besonders hart umkämpft gelten etwa der "Rust Belt", der "Rostgürtel" im Nordosten des Landes, der durch die Schwerindustrie und deren Verfall geprägt ist. Trumps Vize führt als Gouverneur Indianas einen Staat im Rust Belt an. Clintons Vize Tim Kaine stammt aus Virginia, und damit aus einem sogenannten Swing State – das sind jene "Wechselstaaten", die eine entscheidende Rolle spielen, weil dort grundsätzlich keine der beiden Parteien eine größere strukturelle Mehrheit hat, sie aber das Gesamtergebnis entscheiden können.

Derzeit sieht es danach aus, als gestalte sich für Clinton der Weg ans Ziel einfacher als das bei Trump der Fall ist. Der Republikaner müsste zu den Staaten, die Mitt Romney bei den Wahlen 2012 gewonnen hat, die beiden größten Swing States Florida (wo Clinton derzeit in Führung liegt) und Ohio gewinnen, außerdem dann einen weiteren größeren oder zwei mittelgroße Staaten von den Demokraten holen. (Anna Giulia Fink, Gerald Gartner, Noura Maan, 18.8.2016)

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