"Rimworld" im Test: Überleben in der Weltraumkolonie

16. August 2016, 11:00
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Die komplexe Wusel-Aufbausimulation "Rim World" ist eine endlose Geschichtenmaschine im Stil von "Dwarf Fortress"

Beim Namen "Dwarf Fortress" spitzen Games-Auskenner die Ohren: Das absurd ambitionierte, megakomplexe Lebensprojekt eines amerikanischen Brüderpaares gilt als absoluter Kult und hat es bereits ins New Yorker Museum of Modern Art sowie zu einer eigenen Publikation des IT-Verlagsriesen O’Reilly gebracht. Das Aufbauspiel mit aberwitzigem Simulationsanspruch ist aber auch dafür berüchtigt, sowohl grafisch als auch in Sachen Interface die interessierte Spielerschaft auf harte Proben zu stellen: Dürres ASCII und ein auch Auskenner immer wieder vor Probleme stellendes Bedienbarkeitswirrwarr schrecken Interessierte in Massen ab.

Das in Early Access und seit kurzem auch auf Steam verfügbare Science-Fiction-Indiespiel "Rimworld" (Windows, Mac, Linux, Early Access 27,99 Euro) verpackt nun das Konzept von "Dwarf Fortress" nicht nur in schicke, an den Genrekollegen "Prison Architect" erinnernde Grafik, sondern bietet auch ein – vergleichsweise – bequemes Interface. Aufgabe der Spielerinnen und Spieler ist es, eine Gruppe von auf einem fremden Planeten gestrandeten Kolonisten beim Überleben zu begleiten und sie vom Absturz ihrer Rettungskapseln über den Bau von Unterkünften, Werkstätten und Landwirtschaft bis hin zum mächtigen, sich selbst erhaltenden Kolonie-Außenposten zu unterstützen.

tynan sylvester
Video: Trailer zu "Rimworld"

"Firefly" im Wusel-Look

Statt Fantasy bietet "Rimworld" eine an die Kultserie "Firefly" erinnernde Mischung aus Wildwest und Science-Fiction, spielerisch ist Mikromanagement der einzelnen, mit stark unterschiedlichem Charakter ausgestatteten Figuren, aber auch ein Auge fürs große Ganze gefragt. Direkt steuern lässt sich die langsam wachsende Bewohnerschaft der Kolonie nämlich nicht, stattdessen werden Arbeitsanweisungen erteilt, derer sich die Figuren je nach ihren festlegbaren Aufgabengebieten dann annehmen. Zu tun gibt es allerhand: Neben dem unvermeidlichen Abbau von Rohstoffen, dem Bau von Häusern und Infrastruktur, der Landwirtschaft und Versorgung mit Lebensmitteln lässt sich auch die exotische Fauna des Planeten jagen, aber auch zähmen und dressieren. Sporadisch auftauchende Raubtiere motivieren ebenso zum Bau von Verteidigungsanlagen wie der Besuch von Banditen.

Die Ziele stecken sich Spielerinnen und Spieler größtenteils selbst; was jedoch wie auch bei "Dwarf Fortress" den gewaltigen Sog dieser Art Spiel erklärt, ist ihre schier endlose Fähigkeit, aus ihren Systemen aberwitzige, epische oder auch tragische Geschichten zu generieren. Der hohe Detailgrad der Simulation – jede Figur hat nicht nur eigene Vorlieben und Fähigkeiten, sondern reagiert je nach Verfassung auch anders auf traumatische Erlebnisse – macht jedes Spiel einzigartig. "Rimworld" ist sich dieser Stärke bewusst und bietet zu Beginn sogar die Option, aus drei verschiedenen "AI-Erzählern" auszuwählen, die dann, je nach "Charakter", die Kolonie in unterschiedlicher Intensität mit Ereignissen wie Naturkatastrophen, Überfällen und Ähnlichem auf Trab halten.

tynan sylvester
Video: Trailer zu "Rimworld"

Perfekter Einstieg

All jene, die an den legendären Einstiegshürden von "Dwarf Fortress" gescheitert sind, finden in "Rimworld" (endlich) ihren Einstieg in diese faszinierende Nische. Grafisch hübsch, nach etwas Einarbeitung simpel bedienbar, aber trotzdem hochkomplex, ist "Rimworld" trotz Early-Access-Status schon jetzt ein fast endloser Sandkasten, der am laufenden Band Geschichten aus sich selbst heraus generiert. Aber Achtung: Mit Zeitverlust ist zu rechnen. (Rainer Sigl, 16.8.2016)

"Rimworld" ist für Windows, Mac und Linux. Im Early Access für 27,99 Euro.

Hinweis im Sinn der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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