Kritik an Organisation

15. August 2016, 23:54
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Vorhergesagte Sturmfront gefährdete die Teilnehmer der auf hohe See verlegte Regatten – 49er-Duo Delle Karth/Resch fehlerhaft und chancenlos

Rio de Janeiro – Auch die gewissenhafteste Vorbereitung auf eine olympische Segelregatta beinhaltet nicht Schwerwettersegeln bei acht Beaufort, also Windgeschwindigkeiten zwischen 62 und 74 Kilometer pro Stunde und – lauf Definition – hohen Wellenbergen, deren Kanten zu Gischt verwehen. Solche hatten am sechsten Wettkampftag die 49er und 470er abzureiten, die unter einer plötzlich übers olympische Revier hereinbrechenden Sturmfront besonders litten.

Wettervorhersage ignoriert

Die konnte nur deshalb gefährlich werden, weil die Regatten wegen anhaltender Flaute innerhalb der Guanabara-Bucht kurzerhand und wider besseren Wissens auf ziemlich hohe See verlegt worden waren. "Die Organisation hat einen Riesenfehler gemacht, weil jeder einzelne Wetterbericht das vorhergesagt hat. Es war keine Überraschung, dass der Wind gekommen ist. Die können echt froh sein, wenn alle Segler heil herinnen sind, das war nicht lustig da draußen. Es hat uns beim Versuch, die Segel zu bergen, einfach umgeblasen", sagte Steuerfrau Lara Vadlau, die mit Vorschoterin Jolanta Ogar ebenso auf Medaillenkurs liegen wie Matthias Schmid und Florian Reichstädter.

"Die Front war dermaßen schnell da, wir hatten keine Chance zu reagieren. Wir haben die Segel flattern lassen und müssen erst checken, ob irgendetwas kaputt geworden ist", sagte Vorschoter Reichstädter. Auch in ihrer Sorge um den Zustand des Materials sind die österreichischen Boote also vereint. Denn das schwere Wetter, das schließlich keine Wettfahrt gestattete, nahm Masten und Segel ordentlich her. Getauscht darf allerdings nur bei Bruch oder Riss werden. Reichstädter: "Die Segel sind so, als wären sie schon alt, die haben gelitten."

Alte Segel sind aber auch langsame Segel. Österreichs Sportdirektor Georg Fundak hofft auf Einigkeit der Segler und auf die Jury. Sie solle in Anbetracht der Umstände einen Segeltausch zulassen. Den 49er-Vizeweltmeistern Nico Delle Karth und Niko Resch kann auch das beste, neueste Tuch nichts mehr helfen. Die Vierten der Spiele von London haben nicht einmal die Teilnahme am Medal Race sicher, von einem Medaillenplatz trennen sie gleichsam Punktewelten.

Delle Karth/Resch in Not

Immerhin haben Delle Karth/Resch eine Kenterung während der neunten Wettfahrt unverletzt überstanden. "Das war die mit Abstand schlechteste Regatta, an die ich mich erinnern kann", sagte Steuermann Delle Karth, der schon viele Regatten gesehen hat. "Wir sind als 17. zum Ziel gekommen, dann kam die Front rein, genau zwanzig Meter vor dem Ziel. Wenn wir es brutal probiert hätten, wären wir schon noch ins Ziel gekommen. Aber der Chilene ist vor uns gekentert, wir sind auf ihn draufgetrieben und auf das Zielschiff, da haben wir lieber geschaut, dass unser Boot noch in einem Stück ist", sagte der 32-jährige Innsbrucker.

Man werde wieder Gas geben, wie immer, Motivationsproblem gäbe es keines, sagte Vorschoter Resch. "Wir haben falsche Entscheidungen getroffen, falsche Entscheidungen trifft man." Delle Karth und der 31-jährige Klagenfurter Resch fanden allerdings keine Erklärung dafür, warum es nach jahrelanger Vorbereitung ausgerechnet bei Olympia nicht funktioniert. Delle Karth: "Es sind Fehler drinnen, die sind so bitter und so böse. Die dürfen nicht passieren, schon gar nicht, wenn man um Medaillen mitsegeln will. Ich weiß es nicht." Vielleicht grübeln die beiden ja noch in Richtung 2020 Tokio. (APA, red, 16.8.2016)

  • Die Wetterfront brachte viele Crews in Bedrängnis, auch Matias Montinho und Paixao Afonso aus Angola.
    foto: reuters/brian snyder

    Die Wetterfront brachte viele Crews in Bedrängnis, auch Matias Montinho und Paixao Afonso aus Angola.

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