Muti mit Strauss und Bruckner

15. August 2016, 20:47
posten

Es begeisterten federnde Delikatesse in der Phrasierung

Salzburg – Die anderen – Zubin Mehta, Mariss Jansons, Daniel Harding – dürfen bestenfalls zweimal. Riccardo Muti dagegen steht dreimal am Pult der Wiener Philharmoniker. Vor Erfindung der Ouverture spirituelle stand das "Muti-Wochenende" gar im Zenit der Festspiele. Doch auch ein wenig außerhalb der kalendarischen Balance war das dritte "Philharmonische" ein Höhepunkt: Selten hat man, wie in Richard Strauss' Der Bürger als Edelmann, das Vergnügen, die Wiener Philharmonischen Streicher in Kammerbesetzung zu erleben.

Zwar gab es in der ersten der drei Aufführungen einige durchaus markante Intonationsschrägheiten am ersten Geigenpult, aber was macht das schon. Es begeisterten federnde Delikatesse in der Phrasierung, oft auf einem einzigen Ton sich launig in ihr Gegenteil verkehrende Intensität und tänzerische Verve.

Die Orchestersuite op. 60 leugnet ihren Ursprung als Bühnenmusik nicht und kommt in neun Episoden geradezu erzählerisch daher. Farbig ausgemalt werden die von den Streichern quasi skizzierten Szenen – reicher Händler will in den Adelsstand erhoben werden, gibt prunkvolle Feste, wird hereingelegt – von den Bläsern. Diese sind, bis auf das ganz schwere Blech, im Großen Festspielhaus denn auch vollständig angetreten, um mit schillernden Chromas zu betören.

Strauss hat es sich nicht leichtgemacht und mit der historischen musikalischen Form ein raffiniertes Spiel getrieben: Riccardo Muti und die Kammerorchester-Abordnung der Wiener Philharmoniker haben die verfremdeten "barocken" Tänze von 1920 mit der klangrednerischen Delikatesse von Alte-Musik-Experten auf die absurde Spitze getrieben.

Ebenso viel Delikatesse, freilich bei mehr Masse und Macht, kennzeichnete die Wiedergabe von Bruckners Symphonie Nr. 2. Mit "kammermusikalisch" möchte man auch viele Facetten der betont ruhigen und selbst im Bläserrausch kontrollierten Wiedergabe umschreiben. Geradezu extrem verhalten und verinnerlicht war das Andante, sein Verklingen mit Geige, Flöte und Klarinette einer der raren Augenblicke im Musikbetrieb, in denen die Zeit stillsteht. (klaba, 15.8.2016)

Share if you care.