Gefco: Wenn Weltpolitik zum Hoffnungskiller wird

16. August 2016, 09:11
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Wie das Logistikunternehmen versucht, mit russischem Mehrheitseigentümer das Beste aus der Situation zu machen

Wien – Die Erwartungen in der Logistikgruppe waren groß, als PSA Peugeot Citroen 2012 bekanntgab, seine Ertragsperle Gefco großteils zu versilbern. 75 Prozent gingen um 800 Millionen Euro an die russischen Staatsbahnen RZD. Der Deal schürte nicht zuletzt auch in der Österreich-Niederlassung die Hoffnung, Gefco könne damit nicht nur einen Schuh in die Tür bekommen, sondern freie Fahrt auf einem Milliardenmarkt.

Die hohe Politik hat die Hoffnungen erstickt. Auf die Annexion der Krim folgten 2014 Sanktionen der EU gegen Moskau. Beschleunigt durch den Ölpreisabsturz kam es zu einem dramatischen Abschwung der russischen Wirtschaft. Statt zu wachsen, wie ursprünglich erwartet worden war, brach das Geschäft auf der Russland-Relation deutlich ein.

"Wir müssen nur warten können"

Peter Vanek, seit zwei Jahren Geschäftsführer von Gefco Österreich, ist dennoch zuversichtlich, dass die russischen Staatsbahnen als Mehrheitseigentümer Gefco irgendwann substanziell mehr Geschäft bringen können. "RZD hat etwa 1,2 Millionen Beschäftigte; an jedem mittelgroßen Bahnhof in Russland haben die mindestens so viele Mitarbeiter stehen wie wir in ganz Österreich", sagte Vanek dem STANDARD. Und ergänzt: "Wir müssen nur warten können."

Gefco beschäftigt in Österreich knapp 60 Mitarbeiter, konzernweit sind es an die 12.000. Die Österreich-Niederlassung ist kleiner als beispielsweise jene in der Slowakei, wo mit 184 Autos pro 1000 Einwohner so viele Fahrzeuge wie nirgendwo sonst gebaut werden und wo Gefco zum Teil Arbeiten erledigt, die anderswo Autobauer selbst machen. Die Österreich-Niederlassung ist aber größer als jene in Slowenien oder Kroatien.

Der mit Abstand größte Kunde des europäischen Marktführers im Bereich Automobillogistik ist die PSA-Gruppe, die noch immer 25 Prozent an Gefco hält, gefolgt von General Motors.

Distribution auch für Opel

Erst vor wenigen Wochen konnte Österreich-Chef Vanek mit Opel einen Neukunden an Land ziehen. Bis zu 10.000 Fahrzeuge mit dem Blitz im Logo werden von nun an jährlich über den Hafen Wien an Fahrzeughändler in ganz Österreich verteilt. Die meisten Autos stammen aus dem Opel-Werk im spanischen Saragossa. Die Fahrzeuge werden über Barcelona per Schiff ins italienische Livorno und von dort auf der Schiene nach Wien überstellt.

Gefco verfügt über keine eigenen Lkws, sondern arbeitet mit diversen Frächtern zusammen. Das PSA-Händlernetz beliefert Gefco selbstredend auch: In Österreich sind das rund 25.000 Fahrzeuge pro Jahr, die zu verteilen sind.

Warten auf bessere Konjunktur

Größter Drittkunde ist laut Vanek der Landmaschinenhersteller Case in St. Valentin. Dort betreibt Gefco auch ein Bestandteillager und ist an die Software des Traktorherstellers angebunden. Auch Unilever und Nestlé sind Kunden.

Rund 30 Millionen Euro hat Gefco im Vorjahr in Österreich umgesetzt. Heuer seien keine großen Sprünge zu erwarten. Erst wenn die Konjunktur wieder deutlich anspringe, sei mit kräftigerem Wachstum zu rechnen. (Günther Strobl, 16.8.2016)

  • Gefco, europäischer Marktführer in der Automobillogistik, muss seine Erwartungen bezüglich des Russland-Geschäfts senken. Foto: HO
    foto: ho

    Gefco, europäischer Marktführer in der Automobillogistik, muss seine Erwartungen bezüglich des Russland-Geschäfts senken. Foto: HO

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