Als die Lichtgestalt im Schatten lief

15. August 2016, 17:07
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Natürlich hat Usain Bolt die Goldene über 100 Meter gewonnen. Dem Sprintkönig wurde aber auf dem Weg zum Hattrick-Hattrick die Show gestohlen. Vom Südafrikaner Wayde van Niekerk, der die 400 Meter in der Weltrekordzeit von 43,03 Sekunden bewältigte

Alles sehr beeindruckend. Usain Bolt hat zum dritten Mal en suite den olympischen 100-m-Lauf gewonnen, diesmal in 9,81 Sekunden vor dem US-Amerikaner Justin Gatlin (9,89) und dem Kanadier Andre de Grasse (9,91). Der Triumph am Sonntag soll und könnte der Auftakt zu Bolts drittem Titel-Hattrick en suite gewesen sein. Wenn er erneut auch die 200 Meter und mit der jamaikanischen Staffel gewinnt, dann wäre dies quasi der Hattrick-Hattrick.

Die Zuseher im Olympic Stadium skandierten "Bolt, Bolt, Bolt", er lief eineinhalb Ehrenrunden, er zog seine Schuhe aus, er warf sich in seine legendäre Blitz-Pose, er umarmte das Olympia-Maskottchen, Freunde, Fans und seine Mutter. Beeindruckend, wie gesagt, aber auch: Alles schon einmal dagewesen.

Pfiffe für Gatlin

Gatlin wurde übrigens aufgrund seiner Dopingvergangenheit ausgebuht. Nicht zum ersten Mal. "Es war brillant. Ich war nicht so schnell, aber ich bin so glücklich, dass ich gewonnen habe", sagte Bolt. "Ich habe ja gesagt, dass ich es schaffen werde." Seinen Weltrekord von 9,58 Sekunden, aufgestellt bei den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin, verpasste er deutlich.

Bereits heute stehen die Vorläufe über 200 Meter auf dem Programm. "Ich will den Weltrekord", sagte er. Bolt hält ihn natürlich selber, er liegt seit 2009 bei 19,19 Sekunden. "Wenn ich einen guten Schlaf finde, kann ich es vielleicht schaffen. Das ist etwas, was ich wirklich will."

Usain Bolt, der am 21. August, dem Schlusstag dieser Olympischen Spiele, 30 Jahre alt wird, hat angekündigt, nach der WM 2017 seine Karriere zu beenden. In London will er seinen elf WM-Titeln noch weitere hinzufügen. In diesem Fall wird er Freunde und Fans umarmen und, sollte sie nach London reisen, seine Mutter. Er wird als einer der tollsten Sprinter der Geschichte in selbige eingehen, als einer, der eine wunderbare Show abgezogen hat. Die Leute werden sagen, dass Bolts Blitz-Pose legendär gewesen ist.

Van Niekerk läuft Fabel-Weltrekord

Ebenfalls am Sonntag und in Rio ist der Südafrikaner Wayde van Niekerk einen Weltrekord über 400 Meter gelaufen. Das 400-m-Finale war quasi als Vorprogramm zum Sprintfinale gedacht und angesetzt, doch dann hat Van Niekerk alles in den Schatten gestellt. In 43,03 Sekunden verbesserte er die Bestmarke, die seit 1999 der US-Amerikaner Michael Johnson gehalten hatte, um 15 und seine eigene Bestmarke um 45 Hundertstel, beides unfassbar. "Ich habe daran geglaubt, dass ich den Weltrekord holen kann" , sagte van Niekerk. In diesem Glauben hatte er auch die 400 Meter zurückgelegt, auf der Außenbahn noch dazu, doch er startete schon sensationell und legte im Finish noch zu.

Van Niekerk (24) ist nicht aus dem Nichts gekommen, er war 2015 in Peking bereits Weltmeister, auch dort hatte er Kirani James aus Grenada und den US-Amerikaner LaShawn Merritt distanziert. Er ist der erste Mensch, der 100 Meter unter zehn Sekunden, 200 Meter unter 20 Sekunden und 400 Meter unter 44 Sekunden zurückgelegt hat.

Jetzt fehlt ihm auf die 43 Sekunden nicht mehr viel. Michael Johnson (48), der in Rio zunächst neben der Laufbahn stand und dann im brasilianischen TV-Studio saß, packte es nicht und fand, nun ja, recht blumige Worte. "Wayde hat ein Massaker unter seinen Konkurrenten angerichtet. So etwas habe ich noch nicht gesehen."

Und mag sein, genau das hat an diesem Abend den Unterschied ausgemacht. Wayde van Niekerk ist 1,83 Meter groß und 73 Kilogramm schwer. Fast ein Normalo, die Antithese zum 1,95 Meter großen und 94 Kilogramm schweren Bolt. Doch Wayde van Niekerk ist die 400 Meter in 43,03 Sekunden gelaufen. Und das hat die Welt noch nicht gesehen. (Fritz Neumann aus Rio, 16.8.2016)

  • Die Pose von Usain Bolt ist altbekannt.
    foto: imago/kyodo news

    Die Pose von Usain Bolt ist altbekannt.

  • An jene von Wayde van Niekerk wird man sich erst gewöhnen müssen. Der Südafrikaner gewann zum ersten Mal Olympia-Gold.
    foto: reuters/murad sezer

    An jene von Wayde van Niekerk wird man sich erst gewöhnen müssen. Der Südafrikaner gewann zum ersten Mal Olympia-Gold.

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