Rios Nachhaltigkeit: "Die hässliche Fratze Olympias"

14. August 2016, 16:33
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Rio predigt grünen Gedanken, verschwendet aber in der Realität brutal Ressourcen, sagt deutscher Olympiasieger Julius Brink

Dass es um den Ruf der olympischen Spiele nicht zum Besten steht, haben auch die ersten heiteren Sportbilder aus Rio nicht zu ändern vermocht. Freie Sitzplätze, wenig Stimmung, keine Fans: An vielen Wettkampfstätten der Olympischen Spiele muss man die Zuschauer mit der Lupe suchen. Aber das ist leider nicht die einzige traurige Wahrheit.

Bei der Message von Rio 2016 klaffen leider Anspruch und Wirklichkeit "ein Stück weit" auseinander. Die lautet eigentlich: Wir müssen auf unseren Planeten aufpassen.

Julius Brink, deutscher Olympiasieger im Beachvolleyball 2012 und mittlerweile ARD-Experte, kotzt sich auf Facebook nun aus. Die Werte des IOC werden vor Ort in Rio nicht gelebt. Es ist eine Farce und die Welt wird belogen.

"Ich sehe hier in Sachen der Organisation nicht den Hauch eines Ansatzes dieses Gedankens. Nein, in brutaler Verschwendung von Ressourcen laufen die Busse der Mediashuttles auf Parkplätzen ohne Fahrer und Gäste stundenlang heiß – Abschalten? Nein, dann wäre es zu warm beim Einsteigen! Kein Witz: Im Regen, bei 13 Grad Aussentemperatur!", schreibt Brink auf Facebook.

Selbst wenige hundert Meter muss man an den Olympia-Stätten mit dem Auto zurücklegen, weil mehrere Akkreditierungszonen überschritten werden.

Ein Dorn im Auge sind Brink die "fetten" Bonzen des IOC, die sich trotz ausgebauter öffentlicher Verkehrsmittel (Stichwort: exklusive U-Bahn-Nutzung nur für Olympia-Akkreditierte), reihenweise mit Limousinen durch die Stadt chauffieren lassen und dafür großräumig Straßensperren in Anspruch nehmen. Das ist "leider die hässliche Fratze von Olympia."

Auch die aufwendige Produktion für die Gruppenspiele der Beachvolleyballer sieht Brink kritisch. Die Helikopter-Kamera frisst gewaltig Ressourcen. "14 Stunden Helikopterflug pro Tag für 1,5 Sekunden Bild pro Spiel?" Dazu käme das ganze Equipment, Licht, Plastiktüten. "Hier gilt: Immer raus damit."

Trotzdem fühlt sich Brink von Olympia in seinen Bann gezogen. Es tut aber "weh mitzuerleben wie Schindluder an dieser schönen Idee betrieben wird." (vet, 14.8.2016)

  • Wasser predigen, Wein trinken. Nicht mit Julius Brink.

    Wasser predigen, Wein trinken. Nicht mit Julius Brink.

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