Wegen Schlagzeile am Flughafen Wien: Türkei bestellt Diplomaten ein

14. August 2016, 15:50
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Am Flughafen Wien-Schwechat wurde die Schlagzeile "Türkei erlaubt Sex mit Kindern unter 15 Jahren" gezeigt

Istanbul/Wien – Eine weitere Facette der derzeitigen diplomatischen Missstimmung zwischen der Türkei und Österreich eröffnete sich am Samstagabend: Der österreichische Geschäftsträger in Ankara wurde ins Außenministerium zitiert – wegen eines "anstößigen" Berichtes über die Türkei, wie ein Ministeriumssprecher erklärte.

Grund sind demnach Fotos auf sozialen Netzwerken, die einen elektronischen News-Ticker der "Krone" am Flughafen Wien-Schwechat mit der Schlagzeile "Türkei erlaubt Sex mit Kindern unter 15 Jahren" zeigten. "Unsere Bestürzung über diese Anzeige, die das Bild der Türkei verzerrt und die Öffentlichkeit gezielt missinformiert, wurde dem Geschäftsträger deutlich ausgedrückt", erklärte der Ministeriumssprecher und ergänzte, die Schlagzeile sei nach der Intervention entfernt worden.

Offensichtliche Grundlage der inkriminierten Schlagzeile: Der türkische Verfassungsgerichtshof hat eine Bestimmung aufgehoben, die sexuelle Handlungen an Kindern unter 15 Jahren als sexuellen Missbrauch unter Strafe stellte. Ein Bezirksgericht hatte die Höchstrichter mit der Begründung angerufen, die geltenden Gesetze machten keinen Unterschied zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen.

Kinderrechtsexperten protestieren gegen die Entscheidung und befürchten, dass durch den nun entstandenen gesetzesfreien Raum künftig Pädophile straffrei ausgehen könnten.

"Nicht unsere Verantwortung"

Der Sprecher des Flughafen Wien betont, dass der von der türkischen Diplomatie kritisierte News-Ticker "der größten österreichischen Tageszeitung gehört und von ihr verantwortet und mit Inhalten bespielt" werde. "Er fällt nicht in die Verantwortung des Flughafens."

Im Wiener Außenministerium bestätigte man am Sonntag die Vorladung des österreichischen Geschäftsträgers in das türkische Außenamt vom Vorabend. "Wir nehmen die Reaktion der Türkei in dieser Angelegenheit zur Kenntnis", erklärte Ministeriumssprecher Thomas Schnöll dazu, "verweisen aber in diesem Zusammenhang zugleich auf die Pressefreiheit." (APA, 14.8.2016)

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