Pentagon: Chef des IS-Ablegers in Afghanistan und Pakistan getötet

14. August 2016, 12:19
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Beobachter warnen vor anhaltender Bedrohung durch Jihadisten in der Region

Jalalabad/Washington – Das US-Militär hat nach eigenen Angaben den Kommandanten des regionalen Ablegers der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan und Pakistan getötet. Hafiz Saeed Khan (Hafis Said) sei bei einem US-Luftangriff im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan getötet worden, teilte das Pentagon mit.

Beobachter warnten am Wochenende aber trotz eines Machtvakuums an der Spitze des IS-Ablegers vor der anhaltenden Bedrohung durch die Jihadisten in der Region. Der tödliche Angriff auf Saeed sei mit einer Drohne verübt worden, sagte ein Vertreter der US-Behörden am Freitag dem Sender BBC. Weitere Einzelheiten zum Verlauf des Angriffs wurden zunächst nicht bekanntgegeben. Ein Pentagon-Sprecher sagte, Saeed habe sich persönlich an Angriffen auf US-Einheiten beteiligt, seine Gruppe habe die afghanische Bevölkerung "terrorisiert". Die afghanischen Behörden hatten Saeeds Tod bereits im Juli 2015 nach einem US-Angriff fälschlicherweise verkündet.

Überläufer der Taliban

Die meisten der etwa 1.500 IS-Kämpfer in der Region sind Überläufer aus den Reihen der radikalislamischen Taliban. Saeed stieg Anfang 2015 zum Anführer des IS-Ablegers "Provinz Chorasan" auf, der die Herrschaft über Afghanistan, Pakistan und Teile der Nachbarländer anstrebt. Einen Nachfolger ernannte die Gruppe zunächst nicht.

Nachdem die meisten internationalen Truppen aus Afghanistan abgezogen wurden, liegt die Verantwortung für die Sicherheit weitgehend bei den afghanischen Kräften. Diese greifen allerdings auf die Beratung durch das US-Militär und die Schlagkraft der US-Luftwaffe zurück.

Im Mai wurde der frühere Taliban-Chef Akhtar Mansur bei einem US-Drohnenangriff in Pakistan getötet. Die Taliban beschränken ihre Angriffe auf Afghanistan, während der IS von Syrien und dem Irak aus die Herrschaft über eine größere Region anstrebt. Allerdings ist die IS-Miliz nur in einigen Bezirken Afghanistans vertreten und verfügt über geringeren Einfluss als die Taliban.

"Rückschlag für Gruppe"

Die Tötung Saeeds sei "ein großer Rückschlag für die Gruppe", sagte der afghanische Politikexperte Harun Mir der Nachrichtenagentur AFP. "Aber die Bedrohung durch den IS in der Region ist bei weitem nicht vorüber."

Der IS-Ableger in Afghanistan bekannte sich im vergangenen Monat zu einem verheerenden Anschlag auf eine Demonstration in Kabul, bei dem 80 Menschen getötet und mehr als 230 weitere verletzt wurden. Das Attentat vom 23. Juli richtete sich gegen die schiitische Minderheit der Hasara. Es war der blutigste Anschlag in der Hauptstadt seit dem Sturz der Taliban 2001.

Das US-Militär trat nach dem Angriff Warnungen entgegen, wonach die Jihadisten ihren Einfluss in Afghanistan ausgeweitete hätten. Durch US-Luftangriffe und eine Offensive der Regierungstruppen sei der IS in seiner Hochburg Nangahar deutlich zurückgedrängt worden und kontrolliere nur noch wenige Bezirke in der Provinz.

Anrainer zeichnen allerdings ein anderes Bild der Lage. "Die Offensive dauert an und die Regierung sagt, dass sie gewinne", erklärte ein Stammesführer in dem Bezirk Hiska Mina. Aber auch die IS-Miliz setze ihren Kampf fort. "Die Unsicherheit hat zugenommen, nicht abgenommen."

Laut Stammesvertretern schlossen Taliban und IS zudem eine informelle Allianz. "Sie haben aufgehört, sich gegenseitig zu bekämpfen und bekämpfen nun gemeinsam die Regierung", sagte ein Stammesanführer im Bezirk Kot. Die Taliban dementieren dies, doch ein Armeevertreter in Nangahar bestätigte die Angaben. (APA, 14.8.2016)

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