Weißhaidinger starker Sechster im Diskus

13. August 2016, 18:39
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24-jähriger aus Oberösterreich, jüngster Teilnehmer im Finale, hat "sein Herz in die Hand genommen" und war mit seinem sechsten Platz "superzufrieden"

Rio – "Ich hätte gern 65 geworfen, aber wegen der fünf Zentimeter mach‘ ich mir jetzt auch nicht ins Hemd." 64,95 Meter, das war im letzten Versuch die Weite von Lukas Weißhaidinger, sechster Platz im olympischen Diskuswurf, das war sein Ergebnis. "Ein großartiges Ergebnis", sagte der Oberösterreicher, "ich bin superzufrieden." Weißhaidinger hatte viele Erwartungen übertroffen, bereits in der Qualifikation am Vortag, in der er sensationell die zweitbeste Weite (65,86 Meter) hinter dem Polen Piotr Malachowski erzielt hatte.

Dieser sah nach konstant guten Würfen auch am Samstag schon wie ein sicherer Sieger aus. Da trumpfte plötzlich der Deutsche Christoph Harting auf, er ist der jüngere Bruder des legendären Robert Harting, der 2012 Olympiasieger war und in Rio überraschend das Finale verpasst hatte. Mit dem sechsten und letzten Wurf zog Harting (68,37 m) an Malachowski (67,55) vorbei, zweitbester Deutscher und also Dritter wurde Daniel Jasinski (67,05). Auch Jasinski hatte sich ganz am Ende noch einmal gesteigert, wie Harting, wie Weißhaidinger, der sagte: "Einen spannenderen Wettkampf kriegen wir nicht hin."

Medaille außer Reichweite

Am Freitag hätte sich Weißhaidinger seine Quali-Weite "gern fürs Finale aufgehoben", eine Medaille lag aber so oder so außer Reichweite. Er hatte "sogar ein bisserl Glück", nach drei Würfen quasi den Cut zu schaffen und als Achter gerade noch in jenes Feld zu rutschen, das weitere drei Würfe zeigen durfte. In der Pause besprach er sich mit seinem Trainer Gregor Högler, der ihm Folgendes mitgab: "Luky, die Spiele sind alle vier Jahre, reiß dich zusammen." Weißhaidinger: "Da hab ich dann mein Herz in die Hand genommen."

Der 24-Jährige aus Taufkirchen an der Pram gilt als eher schweigsamer Mann. Nach dem Finale aber ging ihm förmlich der Mund über. Er bedankte sich bei Högler und bei seinem Heimtrainer Josef Schopf, der ihn von Jugendtagen an betreut hatte. Schopf, der nachträglich noch eine Akkreditierung erhalten hatte, saß ebenfalls im Stadion und freute sich über die Leistung des jüngsten Finalteilnehmers.

Diskuswerfer erreichen üblicherweise mit 30 Jahren ihren Zenit, Weißhaidinger hat also Perspektive. Seine Betreuer denken auch schon über Rio hinaus, Högler ist überzeugt: "Der Luky kann wirklich einer werden, der um Medaillen mitwirft." Derzeit 138 Kilogramm verteilen sich auf 197 Zentimeter, man kann sagen, der Luky bringt ideale körperliche Voraussetzungen mit.

"Ein, zwei Bier"

Weißhaidinger selbst dachte noch nicht an Tokio 2020, wo die nächsten Spiele steigen. Zunächst wollte er mit seinen Trainern "ein, zwei Bier trinken", sich auch persönlich bei ihnen bedanken. Dem Ärzteteam, das ihn nach einem im Juni beim Meeting in Madrid erlittenen Bruch des rechten Mittelfußknochens wieder hinbekommen hatte, ist er auch sehr verbunden. "Ich hab drei Wochen nicht werfen können, bin mit Krücken gegangen, hab aber nie das Ziel aus den Augen verloren."

Selbst bezahlte Halle

Dem Projekt Rio, sagt Lukas Weißhaidinger, habe er einiges zu verdanken. Er konnte heuer jedes Trainingslager bestreiten, das er bestreiten wollte. Vor zwei Jahren allerdings, nach einer "Evaluierung", war Weißhaidinger eine Zeitlang um Förderungen umgefallen. Es war jene Zeit, in der er die vielleicht wichtigste Entscheidung traf und sich daheim eine kleine Halle mit eigens installiertem Kamerasystem baute, aus der er bei allen Bedingungen ins Freie werfen kann. "Da hat es etliche freiwillige Helfer gegeben, die sogar bei fast minus 20 Grad mitgearbeitet haben", sagt Weißhaidinger. Die Kosten bei der Hallenerrichtung betrugen knapp 50.000 Euro. Aber auch da hat sich Weißhaidinger "nicht ins Hemd gemacht". (Fritz Neumann, 13.8.2016)

Olympia: Final-Ergebnis Diskus, Männer:

1. Christoph Harting (GER) 68,37 m – 2. Piotr Malachowski (POL) 67,55 – 3. Daniel Jasinski (GER) 67,05 – 4. Martin Kupper (EST) 66,58 – 5. Gerd Kanter (EST) 65,10 – 6. Lukas Weißhaidinger (AUT) 64,95 – 7. Zoltan Kovago (HUN) 64,50 – 8. Apostolos Parellis (CYP) 63,72

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    foto: apa/expa/johann groder

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