Martirosjan ärgert dopende Konkurrenz

13. August 2016, 12:29
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EM-Medaillengewinner rechnet sich im ausgedünnten Feld Spitzenplatz aus

Rio de Janeiro/Rio/Barra – Österreichs Olympia-Gewichtheber Sargis Martirosjan nimmt die bei der Konkurrenz grassierende Dopingseuche notgedrungen mit bitterem Humor. "Ich rechne immer so: Wenn ich jetzt eine Top-Sechs-Platzierung mache, bin ich nach acht Jahren, wenn sie die Dopingproben aufmachen, Dritter", kommentierte der gebürtige Armenier die besonders zahlreichen positiven Fälle der vergangenen Monate.

Nach der WM 2015 waren verteilt über alle Gewichtsklassen reihenweise Dopingsünder aufgeflogen. Unlängst wurden dann durch Nachtests etliche Olympia-Medaillengewinner von 2008 und 2012 aus dem Verkehr gezogen.

Die Sportwelt ist ungerecht

Sein Ärger über die weitverbreitete Betrugskultur ist groß. "Ich trainiere wie ein Trottel, kämpfe um jedes Kilo und mit Verletzungen und dann kommt so einer. Genauso die Russen. Jetzt haben wir fünf Olympiasieger, die gesperrt werden, und noch einige andere."

Auch in seiner 105-kg-Klasse seien drei bis vier Athleten betroffen, so Martirosjan. Einer davon ist Weltrekordler Ilja Iljin aus Kasachstan. Dem Olympiasieger von Peking und London wurde kürzlich mit verbesserten Kontrollen nachträglich in Proben beider Sommerspiele Anabolika nachgewiesen. "Der hat in letzten 10 Jahren alles gewonnen. Der stoßt 246 kg wie nichts, und lächelt dabei. Das ist ohne Mittel unmöglich. Es ist kein Wunder, dass er jetzt auf der Dopingliste steht", meinte der EM-Dritte im Reißen.

In Rio de Janeiro möchte Martirosjan, der nach vielen Jahren des Wartens 2014 die Staatsbürgerschaft erhalten hatte, ohne allzu viele Seitenblicke auf die 17 Mitstreiter neue persönliche Zweikampfbestleistung aufstellen. "Die Top sechs sind möglich, wenn ich noch ein paar Kilo drauflege. Ich bin Reißen-Spezialist, ich kann vorlegen. Im Zweikampf riskiert jeder, alles ist möglich."

Das nach dem Wegfall von Dopingsündern aus Russland, Weißrussland und Kasachstan deutlich ausgedünnte Feld schaffe Möglichkeiten. Seine noch im Vorjahr bei der WM (12. im Reißen, ohne gültigen Versuch im Stoßen) akute Schulterverletzung hat der 29-Jährige auskuriert. Der langsame Aufbau in Richtung Olympia mit der guten EM als Zwischenstation sei gelungen, meinte Martirosjan vor seinem Wettkampf am Montag.

"Es geht nicht um Geld, es macht mir Spaß"

Er habe sich im Gegensatz zu früheren Jahren unter professionellen Bedingungen vorbereiten können. Erst seit er 2014 eingebürgert und besonders seit seiner Heeressport-Aufnahme zu Jahresbeginn funktioniere die Finanzierung seines Sportlerlebens gut. Vorher war er seit 2008 von einem Freund aus Wien als Privatsponsor unterstützt worden. "Damals habe ich nichts gehabt, 40 Euro im Monat in der Tasche. Aber ich war immer dabei, egal ob ich Geld gehabt habe, oder ob ich Österreicher war oder nicht. In bin seit zehn Jahren in Österreich und immer der beste Gewichtheber. Es geht nicht um Geld, es macht mir Spaß. Ich mache nur das, was ich am besten kann: Gewichtheben."

Das letzte Trainingslager vor den Sommerspielen absolvierte er in seiner Heimat mit der armenischen Nationalmannschaft. Dort habe er einfach bessere Möglichkeiten und eine "richtige Atmosphäre mit vielen Weltklasseathleten".

Dopingtests habe er dort aber leider keinen machen müssen, so Matrirosjan, dafür unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Österreich. "Ich hatte heuer bis jetzt sechs Kontrollen. In Armenien keine, aber bei Wettkämpfen in Norwegen, in Teheran und überall, wo ist starte. Und in Österreich im Training durch die NADA, und die WADA kommt auch." (APA, 13.8.2016)

  • Sargis Martirosjan: "Ich mache nur das, was ich am besten kann: Gewichtheben."
    foto: apa/ögv/koch markus

    Sargis Martirosjan: "Ich mache nur das, was ich am besten kann: Gewichtheben."

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