US-Magazin outete mit Dating-App-Test homosexuelle Olympioniken

13. August 2016, 12:11
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Autor wollte auf das vermeintlich wilde Sexleben im Olympischen Dorf aufmerksam machen

Ein Journalist des US-Magazins "Daily Beast" soll mehre homosexuelle Olympioniken zwangsweise geoutet haben. Bei einem Selbstversuch war der US-Autor Nico Hines im Olympischen Dorf unterwegs, um mit Dating-Apps wie Tinder oder Grindr mögliche Sexualpartner zu finden. Geschlechtsverkehr wollte der Mann dabei nicht, lediglich auf das vermeintlich wilde Sexleben bei den Olympischen Spielen aufmerksam machen.

Sportler detailliert beschrieben

In seinem Text, der mittlerweile offline genommen wurde, nannte Hines zwar keinerlei Namen, beschrieb die Namen der interessierten Athleten sehr detailliert. Dabei schreckte er nicht davor zurück das Alter, Herkunftsland, die Sportart, Größe, Gewicht und sogar die Platzierungen zu nennen. Eine Identifikation ist somit in kürzester Zeit möglich. Das US-Magazin Slate gab an, dass man die Namen binnen weniger Minuten herausfinden könnte.

Athleten droht in Heimatland Verfolgung

Die Sportler sollen sich bisher noch nicht öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung geäußert haben – kein Wunder, droht manchen von ihnen in ihrer Heimat sogar eine Verfolgung. Hines rechtfertigt seinen Selbstversuch damit, dass er sich selbst als heterosexuellen Familienvater und Journalist auf Recherche deklariert hätte. Allerdings gab er dies erst seinen Chatpartnern im Laufe des Gesprächs bekannt und hatte dies nicht etwa bei seinem Profil vermerkt.

Chefredakteur entschuldigt sich

Nach Veröffentlichung des Texts strich "Daily Beast" nach lautstarken Protesten vorerst einige Details. Schließlich wurde es der Plattform doch zu viel, woraufhin der Artikel offline genommen wurde. Stattdessen findet sich unter der URL eine Entschuldigung des Chefredakteurs der Website. Dieser beteuert, den Text veröffentlicht zu haben, will aber zeigen, dass man mit der Rücknahme des Artikels zeige, dass man die Fehler ernst nehme.

Der offen homosexuelle Schwimmer Amini Fonua ärgerte sich über den Text auf Twitter.

Olympioniken sind wütend

Einige Sportler zeigten auf Twitter wütend über den Artikel. Der offen homosexuelle Olympiaschwimmer Amini Fonua aus Tonga kritisierte "Daily Beast" scharf und schrieb, dass sich das Magazin für den Text schämen sollte. Der Autor hätte das Leben mehrerer Menschen ruiniert, um möglichst hohe Klickzahlen zu generieren, so der Vorwurf des Athleten. (red, 13.08.2016)

  • Mittels der Dating-App Grindr machte sich der Autor im Olympischen Dorf auf die Suche nach homosexuellen Sportlern.
    foto: grindr

    Mittels der Dating-App Grindr machte sich der Autor im Olympischen Dorf auf die Suche nach homosexuellen Sportlern.

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