Nach Anschlägen sucht Thailands Polizei weiter nach Verantwortlichen

13. August 2016, 10:28
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Regierung befürchtet keine weitreichenden Auswirkungen auf den Tourismus

Bangkok – Nach der Anschlagsserie in Thailand haben die Ermittler noch keinen Schuldigen gefasst. Verteidigungsminister Prawit Wongsuwan sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass noch am Samstag ein Haftbefehl ausgestellt werde, teilte aber keine Details mit.

Obwohl sich niemand zu den Taten mit vier Toten und mehr als 30 Verletzten bekannte, schloss die Polizei international agierende Terroristen sowie die muslimischen Aufständischen im Süden Thailands als Täter aus. "Der Haftbefehl wird heute ausgestellt", sagte der Verteidigungsminister. Er wollte aber nicht öffentlich machen, in welcher Provinz die Verhaftung erfolgen sollte. Zuvor hatte der Vize-Sprecher der thailändischen Polizei, Piyapan Pingmuang, AFP gesagt, im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen habe es noch keine Festnahme gegeben. Auch stünden noch keine Verdächtigen fest, die Motive für die Taten seien unklar.

Vier Tote

Am Donnerstag und Freitag waren binnen weniger Stunden insgesamt elf Sprengsätze im Badeort Hua Hin, auf der Insel Phuket sowie im äußersten Süden Thailands explodiert. Vier Thailänder wurden getötet, unter den mehr als 30 Verletzten waren auch drei Deutsche.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, dennoch stufte die Polizei die Taten kurz nach ihrer Verübung als "lokale Sabotage" ein. "Ich kann Ihnen versichern, dass das kein terroristischer Angriff oder die Ausbreitung der Kämpfer aus den drei südlichsten Provinzen ist", sagte Vize-Polizeichef Ponsapat Pongcharoen mit Blick auf die muslimischen Rebellen im eigenen Land.

Wenn es sich doch um muslimische Rebellen handelte, wäre dies eine entscheidende Ausweitung ihres Kampfes gegen die thailändische Staatsführung. Bisher nehmen die Rebellen nur selten Ausländer ins Visier.

Die Partei der gestürzten Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra hat jede Verantwortung für die Anschläge von sich gewiesen. Entsprechende im Internet verbreitete Vorwürfe seien beleidigend und diffamierend, sagte der frühere Außenminister Noppadon Pattama am Samstag. "Jeder frühere Ministerpräsident sorgt sich um das Land und würde nicht so ein Unheil anrichten." Der Politiker saß sowohl im Kabinett von Yingluck Shinawatra, die 2014 von der Armee abgesetzt wurde, als auch in dem ihres Bruders Thaksin. Dieser war bei einem Militärputsch 2006 gestürzt worden.

Sorge um Tourismus

Hua Hin liegt rund 200 Kilometer südlich der thailändischen Hauptstadt Bangkok und ist ein beliebtes Reiseziel bei in- und ausländischen Touristen. Der am schwersten von den Anschlägen getroffene Badeort fürchtet nun einen Rückgang des Tourismus.

"Hua Hin hatte noch nie so ein Problem", sagte Nai Amporn, der ein Restaurant am Strand von Hua Hin besitzt. "Ich fürchte, dass die Geschäfte schlechter laufen werden – allein heute kann man sehen, dass weniger Leute zum Frühstück gekommen sind."

Der Tourismus ist ein wichtiges Standbein der thailändischen Wirtschaft, er macht mindestens zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Für dieses Jahr hatte das Land mit 32 Millionen Besuchern gerechnet.

Tourismusministerin Kobkarn Wattanavrangkul sagte am Samstag, die für dieses Jahr angestrebten Tourismuseinnahmen in Höhe von umgerechnet 62 Milliarden Euro seien durch die Bombenanschläge nicht gefährdet. "Das Vertrauen in den Tourismus wird zurückkehren", sagte die Ministerin in Bangkok. "Thailand löst Probleme sehr schnell und kommt immer wieder auf die Beine."

Wenige Tage vor dem Anschlag hatten die Thailänder eine neue Verfassung angenommen, die von den Militärmachthabern vorgelegt wurde. Sie sieht Wahlen für Ende des kommenden Jahres vor. Experten zufolge sind Gegner der Junta und Aufständische im überwiegend muslimischen Süden unweigerlich in den Verdacht geraten, für die Anschläge verantwortlich zu sein. Die Bevölkerungsmehrheit in Thailand ist buddhistisch. (APA, Reuters, 13.8.2016)

  • Die Motive für die Taten sind noch unklar.
    foto: apa/afp/munir uz zaman

    Die Motive für die Taten sind noch unklar.

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