Merkel lädt Firmenchefs zu Flüchtlingsgipfel

13. August 2016, 13:21
165 Postings

Ziel der deutschen Kanzlerin ist die bessere Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt

Berlin – Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einem Zeitungsbericht zufolge mit den wichtigsten deutschen Konzernchefs über eine bessere Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt beraten. Bei einem Treffen am 14. September im Kanzleramt wolle Merkel die Unternehmen dazu bringen, mehr Lehrstellen und Arbeitsplätze für Migranten anzubieten, berichtete "Bild" am Samstag.

Noch keine Bestätigung der Einladung

Das Bundespresseamt bestätigte das Vorhaben zunächst nicht. Die Termine der Kanzlerin würden rechtzeitig angekündigt, sagte ein Sprecher. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte vor einem Monat nach einer eigenen Umfrage berichtet, dass die 30 wichtigsten, im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen bis Anfang Juni nur 54 Flüchtlinge eingestellt hätten. Davon seien allein 50 bei der Deutschen Post untergekommen. Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte die Chefs der deutschen Top-Konzerne daraufhin auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Es sei der Eindruck entstanden, dass das Engagement der großen Firmen hinter dem des Mittelstands zurückbleibe, schrieb Gabriel im Juli an die Dax-Vorstände.

Im vorigen Monat waren bei den Arbeitsagenturen 321.700 Flüchtlinge als arbeitsuchend gemeldet. Nur wenn sie dem Arbeitsmarkt auch zur Verfügung stehen und keine Integrationskurse mehr besuchen, werden sie als arbeitslos eingestuft. Das waren 140.600.

Linke: Gesellschaftliche Verantwortung von Konzernen einfordern

Der deutsche Linken-Parteichef Bernd Riexinger rief Merkel dazu auf, von der deutschen Wirtschaft mehr gesellschaftliche Verantwortung einzufordern. "Merkels 'Wir schaffen das' muss sich endlich auch an private Konzerne richten", sagte Riexinger am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. "Eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik ist dringend notwendig."

Eine Million Langzeiterwerbslose und mehr als vier Millionen erwerbsfähige Hartz-IV-Beziehende seien der Beweis dafür, "dass die Konzerne offenbar ohne Druck nicht bereit sind, Menschen mit erhöhtem Ausbildungsbedarf eine Chance zu geben", kritisierte Riexinger. "Millionen Menschen sind erwerbslos, qualifizierte Flüchtlinge werden nicht eingestellt und die Konzernchefs schwadronieren über einen Mangel an Fachkräften. Unglaubwürdiger geht es nicht."

"Die Bundeskanzlerin hat die Aufgabe, die wirtschaftlich und politisch mächtigen Konzerne in die Pflicht zu nehmen: Die Entscheidungen großer Unternehmen dürfen sich nicht länger an den Renditewünschen statt am Wohl der Allgemeinheit orientieren", sagte Riexinger. "Es ist höchste Zeit für mehr Demokratie, auch in der Wirtschaft."

Unternehmen in Deutschland profitierten "massiv" von Steuererleichterungen und hervorragenden Produktionsbedingungen, fügte der Linken-Parteichef hinzu. "Sie müssen im Gegenzug gesellschaftliche Verantwortung übernehmen." Dazu gehören nach Ansicht Riexingers Programme, die Langzeiterwerbslose berücksichtigten, erfahrene Arbeitnehmer nicht "aufs Abstellgleis schicken" und jungen Menschen eine dauerhafte Perspektive bieten.

80 Cent pro Stunde

Er erwarte sich von dem Treffen im Kanzleramt aber "nicht allzu viel", so lange die Bundesregierung "mit schlechtem Beispiel vorangeht, indem sie Langzeiterwerbslose mit Ein-Euro-Jobs und Geflüchtete für 80 Cent die Stunde gegeneinander ausspielt", sagte Riexinger. Die Bundesregierung hat die Schaffung von 100.000 Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge angekündigt, um Geflüchtete an den deutschen Arbeitsmarkt heranzuführen. Die Flüchtlinge sollen eine Entlohnung von 80 Cent pro Stunde erhalten. (APA/Reuters, 13.8.2016)

Share if you care.