Ehemaliger türkischer Premier in der "ZiB 2": "Erster Gratulant war Putin!"

12. August 2016, 17:05
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Außenminister Mevlüt Çavuşoglu sah (im türkischen Frühstücks-TV) etwa Österreich als "Zentrum des radikalen Rassismus"

Es wird auch ein Teil der Wahrheit sein: Das türkisch-österreichische Verhältnis leidet auch am Mangel an öffentlich-rechtlichen TV-Plattformen des Diskurses. Zeitnah böten solche die Möglichkeit, niveauvoll Dampf abzulassen. Seit Kanzler Christian Kern in der ZiB 2 für das Ende der EU-Verhandlungen mit der Türkei plädierte, ist zwar einiges gesagt worden:

Außenminister Mevlüt Çavuşoglu sah (im türkischen Frühstücks-TV) etwa Österreich als "Zentrum des radikalen Rassismus". Und Burhan Kuzu, Berater von Staatspräsident Erdogan, wird ein Tweet zugerechnet, das wohl den Kanzler meint ("Verpiss dich, Ungläubiger!"). Als Beitrag zur Deeskalation wäre so etwas erst nach acht Vierteln zu bewerten.

Vorbildhafte Besänftigung der Gemüter bräuchte eher neue Formate, die zu fordern hier Tradition bleibt. Besonders nun, da die Sommerpause als Denk- und Diskussionsdiät schmerzt, zeigt sich ja auch die ZiB 2 überfordert, Konfliktbereinigung zu betreiben.

Das Gespräch mit Mesut Yilmaz (dreimal türkischer Regierungschef und als Erdogan-Kritiker vorgestellt) etwa: Auch wenn Lou Lorenz-Dittlbacher versuchte, europäische Bedenken bezüglich der Vorgänge in der Türkei behutsam zu formulieren, war Yilmaz nur ein Sprachrohr der Enttäuschung über die Reaktion zum Putsch.

"Wie Europa hätte reagieren sollen? Der erste Gratulant war Putin! Das ist eine ausreichende Antwort", so Yilmaz. Auch er bräuchte eine Art Club 2, um Gedanken zu vertiefen. Ihm gegenüber säße die heimische Politik, sie würde Bedenken und ihren Populismus erläutern müssen, der öffentliche Gedankenraum würde um einige Stereotype ärmer – man nennt das Demokratie. (Ljubiša Tošić, 12.8.2016)

  • Türkischer Ex-Regierungschef Yilmaz im Interview.
    foto: orf mediathek

    Türkischer Ex-Regierungschef Yilmaz im Interview.

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