"Dialog mit dem Messer-Räuber": Von der Tarantel gesprudelt

14. August 2016, 12:00
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"Krone"-Sportchef Robert Sommer wurde in Rio fast überfallen und schildert das Erlebnis

Es war eine der seltsamen Begegnungen, über die man nicht so freudig spricht. Und schon gar nicht schreibt. Und zwar über einen Dialog mit dem Messer-Räuber, der kein Messer geraubt hat, geführt vom "Krone"-Sportchef Robert Sommer, der in Rio überfallen wurde, aber eigentlich eh nicht. Grund genug also, des Langen und Breiten in der Montag-Ausgabe besagten Blattes darüber zu schreiben.

Schauplatz Copacabana. Uhrzeit zirka 1.30 Uhr nachts. Die Uhrzeit mochte stimmen, der Schauplatz nicht, wie ein Foto beweist, das Sommer in der Nacht danach an derselben Stelle zeigt, und die sieht nicht nach Copacabana aus. Kurz, er wollte in sein Hotel, mit einer Laptop-Tasche leicht sichtbare Beute für die Gestalten, über die man hier in den letzten Tagen so viel gehört und gelesen hat. Die Olympia-Gangster von Rio.

Und schon war einer von denen da, über die man so viel gehört hat. Plötzlich Schritte hinter mir. Leises Hüsteln. Reflexartig - es muss der Hüstelreflex gewesen sein – drehe ich mich um und blicke in ein gehetzt wirkendes Gesicht. Dasselbe ist vielleicht 30 Jahre auf dieser Welt. Gar nicht so ungepflegt. Arme schmächtig. Aber in einer Hand ein Messer. Da heißt es, all seine Geistesgegenwart zusammenzuraffen. Keine Ahnung, warum, aber aus mir sprudelt es wie von der Tarantel gestochen mit unsicherer Stimme: "I'm from Austria."

Wenn es aus einem sprudelt wie von der Tarantel gestochen mit unsicherer Stimme, und dann auch noch so patriotisch, kann die garantiert einlullende Wirkung des Hinweises auf österreichische Herkunft in einem Olympia-Gangster sedierende Bedenken wecken. "I'm from here", kommt sofort eine Antwort – und so entwickelt sich ein Dialog mit dem Räuber. Statt auf der österreichischen Schiene fortzufahren und die Lage mit den üblichen Hinweisen auf Mozart und Sisi zu entschärfen, unterbreitete der "Krone"-Sportchef ein anderes Angebot. "You want to kill?", frage ich, wobei ihm selber irgendwie seltsam erschien, wie die Furcht die Zunge führen kann. Dumme Frage natürlich.

Das Angebot wurde wegen materieller Unzulänglichkeit abgelehnt, vielmehr sprudelt es aus dem Olympia-Gangster wie von der Tarantel gestochen: "I want money. And bag." Aber nicht einmal das bekam er, wurde seine Forderung doch mit der Frage abgeschmettert: "You speak english. Why?" Und diese Neugierde wurde belohnt. "I was teacher", meint er plötzlich und erzählt in Wortfetzen von seinem Abstieg als Lehrer. Entlassen. Wohnung weg. Freundin auch. Jetzt Favela. Eine Biografie, die beweist, dass ohne Weiterbildung auch in Rio aus einem Lehrer kein gestandener Gangster werden kann. "Good. Olympic good", befand er. Plötzlich steckt er aber das Messer weg und läuft davon.

Dieses Wunder von Rio war einfach zu gut, um es nicht am nächsten Tag ein wenig zu strecken. Da flehte ein ebenfalls in Rio weilender "Krone"-Reporter um Schutz, obwohl er – bis dahin – gar nicht überfallen worden war. Die Judo-Girls Unterwurzacher und Graf versprechen "Krone"-Reporter Georg Fraisl vor den ersten Olympia-Auftritten in einer der gefährlichsten Metropolen der Welt: "Wir beschützen dich!"

Muss man in der wunderbaren Stadt Angst haben?, sorgte sich der Reporter. Nicht wenn man die beiden Tiroler Judo-Mädels an seiner Seite hat. Denn vor ihren Olympischen Kämpfen versprachen sie der "Kronen Zeitung": "Wir beschützen dich, keine Bange!" Allerdings augenzwinkernd. "Dich beschützen?" Katrin denkt kurz nach, "wenn der Angreifer keine Waffe mit hat, dann sollte das hinhauen." Wenn doch, lässt man es besser wie von der Tarantel gestochen sprudeln.

Abseits von Rio kämpft die "Kronen Zeitung" wie von der Tarantel gestochen für die FPÖ. Eine Reportage über Alexander Van der Bellen als Bergfex konnte nicht erscheinen ohne einen Kasten, der den Präsidentschaftswahlkampf in die Tierecke verlagerte. Bisher hatte FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer nur eine Katze, die – laut FPÖ-Angaben – glaubt, sie sei ein Hund. Alexander Van der Bellen konnte hingegen im Wahlkampf bei den Hundefans mit seinen beiden Mischlingen "Chico" und "Kita" auftrumpfen. Vor kurzem hat Hofer nun gleichgezogen und präsentierte auf Facebook – peinlich im Blatt wiedergegeben – seinen Hund "Jessy".

Wenn schon seine Katze glaubt, sie sei ein Hund, dann kann man nur hoffen, dass es sich bei Jessy nicht auch noch um einen Mischling handelt. (Günter Traxler, 14.8.2016)

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