Das Feuer schüren

12. August 2016, 15:26
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Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra bei den Salzburger Festspielen

Salzburg – Con brio wurde nach seiner Uraufführung (2008) alsbald eine der meistaufgeführten Kompositionen von Jörg Widmann: Die Konzertouvertüre für Orchester ist ein funkensprühendes Feuerwerk zwischen Pauke und Bläsern über bockigem Streichersatz. Ganz dem Geiste Beethovens geschuldet, ohne Beethoven auch nur einen Takt lang direkt zu zitieren, besticht das Werk durch Schlagabtausch zwischen Scherzofuror und Bläserpracht. Letztere entfaltet sich nur für Augenblicke als ironischer An-Klang.

Bei den Salzburger Festspielen stand Con brio in einer Woche gleich zweimal auf dem Programm: Der junge Dirigent Aziz Shokhakimov, der Gewinner des Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award, hat mit seiner temperamentvollen, die Werkstrukturen präzise offenlegenden Interpretation die Latte recht hoch gelegt. Freilich ist auch die Camerata Salzburg musikalisch-technisch ein ganz anderes Kaliber als das Friedensprojekt West-Eastern Divan Orchestra. Im Vergleich jedenfalls kam die Lesart von Daniel Barenboim und den Seinen gar wenig präzise und schlagkräftig daher.

Martha Argerich, angekündigt mit Franz Liszts erstem Klavierkonzert, hat kurzfristig abgesagt. Eingesprungen im Großen Festspielhaus ist Barenboim persönlich als Solist in Mozarts Konzert für Klavier und Orchester B-Dur KV 595. Zu Gehör gebracht wurde ein Barenboim'scher Mozart in gewohnt weichgespülter Manier. Durchaus schöne Momente brachten etwa die weit ausgreifend musizierten Linien des Larghetto oder das heitere Frühlingstreiben im finalen Allegro.

Der solide, aber wenig präsente Streicherklang des Divan Orchestra fällt bei einem solchen Kleinod besonders ins Gewicht. Das geplante Liszt-Konzert hätte jedenfalls auch dramaturgisch besser zum darauffolgenden Wagner-Wunschkonzert gepasst: Die Ouvertüren zu Tannhäuser und Meistersinger umrahmten Morgendämmerung, Siegfrieds Rheinfahrt und Trauermarsch aus der Götterdämmerung. Die aufgeregt absteigenden Streicherlinien und der sich mit frommer Selbstverleugnung dagegenstemmende Bläserchoral am Ende der Tannhäuser-Ouvertüre wollten nicht immer in ein gemeinsames Taktschema passen.

Reizvoll waren die mit spannungsvollen Crescendi aufgetürmten Ring-Teile. Hier reüssierten die an allen Pulten hervorragenden Bläser; Barenboim und die Seinen entwickelten farben- und detailreiche Historiengemälde von beeindruckender Intensität. Der Trauermarsch - beinah eine Art klingendes Armageddon. (Heidemarie Klabacher, 13.8.2016)

  • Dirigent Daniel Barenboim und sein  West-Eastern  Divan Orchestra reüssierten mit Stücken von Richard Wagner.
    foto: imago

    Dirigent Daniel Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra reüssierten mit Stücken von Richard Wagner.

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