Ötztal: Drei Gletscher und zwei Gipfel

12. August 2016, 15:02
12 Postings

Abseits von alpinem Trubel lässt sich die Wildspitze, Österreichs zweithöchster Gipfel, vom idyllischen Ötztaler Bergdorf Vent aus ohne große Mühen besteigen

Der Kontrast könnte gar nicht größer sein: Wenige Kilometer hinter dem quirligen Alpin-Disneyland Sölden zweigt eine kleine Straße von der Bundesstraße ab und führt in eine stille Bergwelt, die ganz anders als das übrige Ötztal ist. Am Talschluss liegt auf 1900 Meter Seehöhe das 140-Einwohner-Dorf Vent (ausgesprochen: Fent) mit einer Kirche, einer Doppelsesselbahn und einer Handvoll von Hotels und Gasthöfen.

foto: eric frey
Ein Blick zurück vom schneebedeckten Nordgipfel auf das Gipfelkreuz der Wildspitze.

Im Winter ein Familienskigebiet und ein stilles Ausweichquartier für Sölden-Besucher, ist das Bergsteigerdorf im Sommer Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und Bergtouren – allen voran auf die Wildspitze, mit 3770 Metern der höchste Gipfel Nordtirols und gerade einmal 30 Meter niedriger als der weitaus bekanntere Großglockner. Seine Besteigung ist im Vergleich recht einfach und bietet ein ähnlich prachtvolles Panorama. Und auch in der Hochsaison ist die Wildspitze nie überlaufen. Alles, was man dafür braucht, ist eine solide Kondition, die passende Gletscherausrüstung und einen ortskundigen Bergführer.

Sessellift in Richtung Hütte

Die kürzeste Route auf die Wildspitze geht von der Breslauer Hütte auf 2844 Meter aus, eine etwas längere Variante beginnt in der Vernagthütte. Vom Tal dauert der Anstieg zur Breslauer Hütte rund drei Stunden, doch wer den Sessellift (Betriebsschluss 17 Uhr) erwischt, erspart sich die Hälfte des Weges und kommt gerade zeitgerecht zum Abendessen an. Frühstück wird am nächsten Morgen für Wildspitzen-Besteiger um fünf Uhr serviert, die übliche Aufbruchszeit ist sechs Uhr. Vier Stunden dauert etwa der Aufstieg zum Gipfel, sieben bis acht Stunden die gesamte Tour.

foto: wikicommons / a. linzer
Auf dem Mitterkarferner sollten Seil und Steigeisen angelegt werden.

Der Weg führt zunächst über Felsen und Geröll zum Mitterkarferner, wo Seil und Steigeisen angelegt werden, um über einen steilen, oft eisigen Hang zum Mitterkarjoch aufzusteigen. Nun beginnt eine ruhige Gletscherwanderung über den weiten Taschachferner zum Südwestgrat, über den ohne besondere Kletterkünste in einer halben Stunde der Südgipfel mit seinem Gipfelkreuz erreicht werden kann. Von hier blickt man ins Pitz- und Kaunertal genauso wie zum Similaungletscher, berühmt als Ötzi-Fundstelle, und an klaren Tagen bis zum Südtiroler Ortler.

foto: wikicommons / schwiebi
Die Breslauer Hütte liegt auf 2.844 Meter westlich von Vent am Fuß der Wildspitze.

Wer nicht den gleichen Weg zurückgehen will, überschreitet nun einen Grat zum schneebedeckten Nordgipfel, der vor der großen Gletscherschmelze den Südgipfel noch um ein paar Meter überragt hat. Nach einem kurzen Felsabstieg führt eine Gletscherroute unterhalb der Nordwand zu einem weiteren Grat, von wo man den Rofenkarferner, den dritten Gletscher dieser Tour, betritt und durch den schon recht nassen Schnee bergab in Richtung Breslauer Hütte gleitet.

Schöner Blick vom Wilden Mannle

Der Weg führt vorbei am kleinen Dreitausender Wildes Mannle (3023 Meter Seehöhe), der über eine normale Bergwanderung erreicht werden kann und den vielleicht schönsten Blick auf die Wildspitze bietet. Auch für den Abstieg ins Tal bietet sich der Sessellift an, und zumindest eine Nacht sollte man danach in Vent verbringen. Doch wer die Stille dieses Ortes länger genießen will, kann von hier aus tagelang Wanderungen und Bergtouren auch abseits der Wildspitze entdecken. (Eric Frey, 12.8.2016)

karte: der standard

Anreise: Über Ötztaler Bundesstraße B186 oder vom Bahnhof Ötztal mit ÖBB-Postbus nach Vent

Route: Vent – Breslauer Hütte – Mitterkarferner – Süd- und Nordgipfel der Wildspitze – Rofenkarferner – Breslauer Hütte – Vent

Schwierigkeiten: moderate Trittfestigkeit und Kondition erforderlich

Einkehr und Übernachtung: Breslauer Hütte, zahlreiche Gasthöfe in Vent

Karte: Inneres Ötztal, Kompass Wanderkarten – 042

Info: www.bergfuehrer-vent.at und www.oetztal.com

Die Tour fand auf Einladung von Ötztal Tourismus statt.

Share if you care.