Kritik an verzerrender "Krone"-Grafik zu Mindestsicherung

12. August 2016, 13:10
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Inländer würden gegen Ausländer ausgespielt, kritisiert SOS Mitmensch und appelliert, eine Grafik mit den korrekten Proportionen zu teilen

Wien – "Bitte helft jetzt mit, der 'Kronenzeitung' zu helfen!". Die Menschrechtsorganisation SOS Mitmensch appelliert in den sozialen Medien an User, eine Grafik zu teilen. Stein des Anstoßes ist eine Kampagne der "Kronen Zeitung" zur Mindestsicherung, die in einer Grafik gipfelt, um die Bezieher der Mindestsicherung in Wien darzustellen. Abgeschnitten ist der Balken genau an der Stelle, an der er es um Sozialleistungen für Österreicher geht – zu sehen ist sie zum Beispiel in diesem Artikel.

Kritisiert wird, dass damit suggeriert werden soll, dass überproportional viele Ausländer in Wien Mindestsicherung beziehen. In der "Krone"-Grafik steht der erste Balken für über 100.000 Österreicher, beim zweiten Balken mit über 16.700 handelt es sich um Personen, deren Herkunft unklar ist oder noch nicht erfasst wurde.

Auf Facebook wurde die Grafik von SOS Mitmensch bis jetzt über 2.700 Mal geteilt (Stand: Freitag zu Mittag).

Geteilt wurde der Artikel mit der Grafik auch von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf seiner Facebook-Seite – nicht jener von SOS Mitmensch, sondern der auf krone.at. Für Strache gehört krone.at zu den beliebtesten Quellen. Warum das so ist und wie beide Seiten davon profitieren, schilderte kürzlich krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt in einem Interview mit dem Magazin "Fleisch": "Wenn Strache einen normalen Bericht von uns auf Facebook teilt, dann merken wir, das haut die Quote auf das 1,5-Fache hoch. Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen. So ein Doppelspiel ist natürlich für die anderen Parteien gefährlich." SPÖ und ÖVP könnten das theoretisch auch, so Schmitt: "Sie machen es aber nicht."

Auf die Frage, wie denn krone.at zu den Geschichte komme, antwortet Schmitt: "Wenn ich mir meine Wochenbilanz anschaue, dann habe ich 20 Anrufe von der FPÖ, ein paar von den Grünen und dem einen oder anderen ÖVP-Minister und von einem aus der SPÖ. Aber von der restlichen SPÖ hat genau niemand angerufen. Von der SPÖ Wien auch niemand. Von den Grünen niemand. Natürlich spiegelt sich das auch in meiner Berichterstattung wider, klar. Du kannst zweimal eine FPÖ-Geschichte ablehnen, vielleicht ein drittes Mal. Aber beim vierten Mal geht der Informant dann zum Kurier, und du ärgerst dich. Bei der SPÖ hat man immer das Gefühl, sie sind beleidigt, deswegen rufen sie aus Prinzip schon nicht an." (red, 12.8.2016)

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