WHO: Polio-Virus wieder in Nigeria aktiv

12. August 2016, 12:15
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Im Nordosten Nigerias haben sich der Weltgesundheitsorganisation zufolge zwei Kinder mit dem Polio-Virus infiziert

Maiduguri/Genf – Der weltweite Kampf gegen die Kinderlähmung hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO einen Rückschlag erlitten. In Nigeria hätten sich zwei Kinder mit dem Polio-Virus infiziert, teilte die UN-Behörde Donnerstagabend in Genf mit.

Die beiden Fälle im Bundesstaat Borno im Nordosten des Landes sind laut WHO der erste Ausbruch seit über zwei Jahren in Afrika. Die nigerianische Regierung arbeite nun eng mit der WHO und anderen Partnern zusammen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Geplant seien weitflächige Impfaktionen, auch in den Nachbarstaaten.

"Das ist eine wichtige Erinnerung, dass die Welt es sich nicht leisten kann, selbstgefällig zu sein, kurz vor der Polio-Ausrottung", sagte der für Polio zuständige WHO-Direktor, Michel Zaffran. 1988 gab es weltweit noch 350.000 Neuerkrankungen. 2016 wurden weltweit nur noch 21 Polio-Fälle in Pakistan und Afghanistan verzeichnet.

Glaube an westliche Verschwörung

Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine ansteckende Virus-Erkrankung. Sie wird hauptsächlich durch Fäkalien übertragen. Eine von 200 Infektionen führt laut WHO zu dauerhaften Lähmungen. Von diesen Erkrankten sterben fünf bis zehn Prozent, weil die Atemmuskeln betroffen sind. Eine spezielle Therapie gibt es nicht.

Mitarbeiter von Impfteams wurden in Nigeria und Pakistan immer wieder von Islamisten angegriffen und getötet. Die Islamisten glauben, die Impfungen seien Teil einer Verschwörung des Westens und sollten Muslime unfruchtbar machen. Deshalb sei es umso wichtiger, die Impfungen auch in hart umkämpften Zonen weiterzuführen, bekräftigte die WHO.

Nur so könne Afrika ein poliofreier Kontinent werden. Doch die Attacken der sunnitischen Extremisten der Boko Haram gestalte die Hilfsaktionen an Ort und Stelle äußerst schwierig. Die Miliz terrorisiert den Nordosten Nigerias und die angrenzenden Gebiete im Tschad, Niger und Kamerun. Seit 2009 haben sie mindestens 14.000 Menschen getötet. (APA, dpa, 12.8.2016)

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