Ned sei deppert!

Kolumne12. August 2016, 14:42
18 Postings

Empfehlungen für ein Verbot der Vollvertrottelung

Unter dem Eindruck der Terrorattacken setzt das deutsche Innenministerium auf eine Aktion scharf. Die Polizei soll aufgerüstet werden, Hassprediger will man ausweisen, die ärztliche Schweigepflicht lockern ("Herr Doktor, ich krieg vom Tragen der Sprengweste immer Rückenschmerzen"). Auch ein Verbot der Vollverschleierung wird "angedacht".

Der Idee des Vollverschleierungsverbots kann der Krisenkolumnist durchaus nahetreten. Natürlich: Modisch macht die Burka einiges her. Das Blöde an der großen Schwarzen ist aber, dass man die Frau nicht sieht! Eine verboten sinnlose Vergeudung weiblicher Reize!

Wenn man schon beim Nachdenken über das Vollverbieten ist, sollte man dringend ein Vollvertrottelungsverbot ins Auge fassen. Eine Teilvertrottelung der österreichischen Bevölkerung wird nach zwölf Jahren Facebook und einem Monat Pokémon Go nicht aufzuhalten sein. Überlegenswert wäre aber, Aktivitäten, die geeignet sind, weite Teile der Bevölkerung zu kretinisieren, strafrechtlich zu ahnden. Wieso sollte man die Kollektivintelligenz mit einer Schlagzeile wie "Rihanna erregt ganz Wien" straflos um hunderte IQ-Punkte senken dürfen? Außer dem Krisenkolumnisten gibt es Kohorten von Leuten in "ganz Wien", die sich von Rihanna nicht im Mindesten "erregt" fühlen. Muss eine flächendeckende morgendliche Gratisvertrottelung ganzer U-Bahn-Züge wirklich ein Kavaliersdelikt bleiben?

Ebenfalls unter Vollvertrottelungsverdacht: Die Behauptung mancher Leute, die Welt würde umgehend zu einem Paradies, wenn man sie nur zum Präsidenten wählte. In Österreich denkt man da sofort an Donald Trump, den außer Rand und Band geratenen amerikanischen Hochhäuslbauer. Nachdem er allen Muslimen und Mexikanern die Pest an den Hals gewünscht hat, wünscht er jetzt Hillary Clinton eine Kugel in den Kopf. Das ist nicht nur vertrottelt, sondern geradewegs kriminell.

Mit einer Botschaft an die Armen im Geiste hat auch Alexander Wrabetz aufhorchen lassen, als er meinte, mit Politik habe seine Wiederbestellung zum ORF-Generalintendanten kaum etwas zu tun. Da fühlt sich jeder, der mit der hiesigen Realverfassung vertraut ist, für einen Volltrottel gehalten. Der Krisenkolumnist meint: Wrabetz sollte sich bitte etwas Gescheiteres ausdenken. Spätestens zu seiner vierten Wahl als ORF-GI. (Christoph Winder, Album, 12.8.2016)

Share if you care.