Premier League: Ein Starballett als "Weltmeisterschaft für Trainer"

12. August 2016, 11:19
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Manchester United, Manchester City, Chelsea – Transfergiganten duellieren sich, Titelverteidiger Leicester wohl chancenlos

London – TV-Millionen, Transferwahnsinn und teure Trainer: Die englische Premier League geht ab Samstag in ihre 25. Spielzeit und bewies im EURO-Sommer einmal mehr, dass sie die reichste Fußballliga der Welt ist.

Das Premiumprodukt lockte wieder neue Stars am Spieler- und Trainersektor auf die Insel – allen Diskussionen um die sportliche Stärke zum Trotz.

Es war zu erwarten, dass das Wettrüsten in der Premier League in der Sommerpause in die nächste Runde gehen würde. Es kam genau so, auf dem Platz tummeln sich ab Samstag noch einmal mehr Weltstars, an der Seitenlinie stehen einige der namhaftesten Trainer der Branche. 9,5 Milliarden Euro spült der neue TV-Deal zwischen 2016 und 2019 in die Kassen, mehr als eine Milliarde gaben die 20 Teams im Sommer für neue Spieler aus.

Sechs Österreicher mit dabei

Mitten drin im Starauflauf sind (zumindest) sechs Österreicher. Mit den EURO-Startern Christian Fuchs (Leicester), Kevin Wimmer (Tottenham), Marko Arnautovic (Stoke City) und Sebastian Prödl (Watford) stehen vier österreichische Feldspieler bei Clubs aus der Premier League unter Vertrag. Sie alle hegen Stammplatz-Ambitionen. Die Goalies Alexander Manninger (Liverpool) und Youngster Daniel Bachmann (Stoke) werden sich wohl zumindest vorerst mit der Rolle als Ersatz-Torhüter anfreunden müssen.

foto: reuters/john sibley
Christian Fuchs ist mit Leicester City Titelverteidiger.

Die Premier League ist die am besten vermarktete Liga Europas. Doch ob der exorbitante Reichtum der Liga sportlich guttut, ist unter Beobachtern umstritten. In der Champions League reichte es schon länger nicht mehr für den großen Coup, in der Fünfjahreswertung liegt England hinter Spanien und Deutschland auf Rang drei.

Erstickungsgefahr

Matthew Benham, Eigentümer des Zweitligisten Brentford, sagt: "Ich sehe durchaus die Gefahr, dass der englische Fußball an dem ganzen Geld ersticken könnte." Und selbst Neo-Manchester-United-Trainer Jose Mourinho gab unlängst zu: "Der Fußball ist verrückt. Der Markt ist verrückt."

foto: apa/afp/ian kington
Jose Mourinho ist einer von vielen namhaften Trainern in der Premier League.

Dabei setzten ausgerechnet Mourinho und ManUnited das größte Rufzeichen des Transfersommers. 105 Millionen Euro ließ sich der Rekordmeister die Rückkehr von Paul Pogba kosten. Der 23-jährige Franzose ist nicht der einzige neue Superstar im Trikot der "Red Devils". Zuvor waren bereits Zlatan Ibrahimovic, Henrich Mchitarjan und Eric Bailly zu United gewechselt.

Von "The Special One" Mourinho wurde Pogba standesgemäß selbstbewusst begrüßt: Er komme zu einem Team, das zukünftig viel gewinnen würde. "Ein Team von Gewinnern".

United ist Mitfavorit

Nichts weniger erwarten angesichts der Einkäufe nun Fans und Medien. "Mit den Neuverpflichtungen des Sommers und mit Jose Mourinho als Trainer wird United schon bald wieder den alten Angstfaktor haben", meinte etwa die BBC.

Ein erster Schritt dorthin gelang dem laut "Forbes" fünftwertvollsten Club der Welt am Sonntag. Mit dem "Community Shield", wo United den amtierenden Meister Leicester bezwang, gewannen Mourinho und Ibrahimovic bereits ihre erste Trophäe der Saison.

Leicester ohne Titelmission

Für Leicester gilt es annähernd an die sportlichen Leistungen der vergangenen Saison anzuknüpfen. Die "Foxes" beginnen vor dem Ligaauftakt bei Hull City bereits wieder zu träumen: "Wir wollen unsere Performance aus der vorigen Saison wiederholen, aber den Titel zu verteidigen, ist ein Traum", sagte Coach Claudio Ranieri, der seinen Vertrag bis 2020 verlängerte.

foto: apa/afp/glyn kirk
Claudio Ranieri ist zwar Titelverteidiger, aber Außenseiter. Auch er ist ein namhafter Trainer.

Der zu befürchtende Aderlass am Spielersektor blieb aus: Mit N'Golo Kante, der für knapp 36 Mio. Euro zu Chelsea wechselte, verlor der Club von Christian Fuchs nur einen Schlüsselspieler.

Geht es nach den Wettanbietern, bleibt Leicesters Triumph allerdings ein "One-Hit-Wonder". Sämtliche Konkurrenten, von den beiden Manchester Clubs über Chelsea, Arsenal, Liverpool und Tottenham, werden höher gehandelt. Gelingt die Titelverteidigung, zahlen die Wettanbieter etwa das 30-fache zurück. Zum Vergleich: Für das als Topfavorit gehandelte Manchester City bekommt man nicht einmal das Vierfache.

Guardiola als City-Boost

Mitverantwortlich dafür ist die Verpflichtung von Josep Guardiola. Der Startrainer widmete sich nach drei erfolgreichen Jahren bei Bayern München wieder einem neuen Projekt. Unter seiner Anleitung sollen Sergio Aguero, Kevin de Bruyne und Co. den dritten Titel innerhalb von sechs Jahren einfahren.

foto: apa/afp/jonathan nackstrand
Pep Guardiola ist neu bei Manchester City. Auch er ist ein namhafter Trainer.

Hitzige Stadtderbys scheinen garantiert: Mit Guardiola und Mourinho arbeiten zwei Herren, die einander in gepflegter Abneigung verbunden sind, in derselben Stadt. Die englische Boulevardpresse dürfte die Duelle noch einmal anheizen. "Die Psychospielchen beginnen", titelte die "Sun" bereits, weil Guardiola den Trainingsstart einen Tag früher als Mourinho ansetzte.

Auch Conte an der Seitenlinie

Mit Antonio Conte, bei der EM noch Nationaltrainer Italiens und zuvor von 2011 bis 2014 Serienmeister mit Juventus, zog es einen weiteren hoch angesehenen Trainer auf die Insel. Conte soll nach dem EURO-Engagement mit seinem Heimatland aus dem stardekorierten Chelsea-Kader rund um Eden Hazard, Diego Costa oder Cesc Fabregas mehr herausholen, als dies seinem Vorgänger gelang.

foto: reuters/fabian bimmer
Antonio Conte ist ebenfalls neu, er coacht nun Chelsea. Auch er ist ein namhafter Trainer.

Tottenham, der Tabellendritte der abgelaufenen Saison, wäre mit einer Wiederholung der Vorsaison wohl sehr zufrieden. Am Weg zum Vizemeistertitel wurde der Wimmer-Club erst am letzten Spieltag ausgerechnet von Lokalrivale Arsenal abgefangen.

Angesichts zahlreicher Star-Trainer-Kollegen sprach Coach Arsene Wenger bereits von einer "Weltmeisterschaft für Trainer". Der 66-jährige Franzose empfängt am Sonntag zum Auftakt seiner 20. Saison als Arsenal-Trainer Liverpool mit Jürgen Klopp.

Klopp mit Österreichern

Und Klopp setzt in seinem zweiten Jahr als Trainer der "Reds" auch auf Spieler mit Österreich-Bezug: Goalie-Routinier Manninger (39) geht als Nummer zwei in die Saison. Ex-Salzburg-Flügelstürmer Sadio Mane, der für über 40 Mio. Euro aus Southamption an die Anfield Road wechselte, soll für mehr Torgefahr sorgen.

Allerdings nur national, denn der Europa-League-Finalist des Vorjahres verpasste als Liga-Achter die Qualifikation für die internationalen Plätze. (APA, 12.8.2016)

  • Der neue Premier-League-Ball ist bunt.
    foto: reuters/ed sykes

    Der neue Premier-League-Ball ist bunt.

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