ORF-Bewerbungskonzepte: Zeiler kritisiert Wrabetz und lobt Grasl

12. August 2016, 10:51
23 Postings

Der frühere ORF-General Zeiler hält nicht viel von Wrabetz' Organisationskonzept: "Selbst ich würde mir das nicht zutrauen"

Wien – Unerwartete nachträglich Unterstützung bekommt Richard Grasl, der bei der ORF-Wahl Amtsinhaber Alexander Wrabetz unterlegen ist, vom SPÖ-nahen Gerhard Zeiler. Der frühere ORF-General und Präsident von Turner Broadcasting International lobte im aktuellen "profil" Grasls Bewerbungskonzept und übte gleichzeitig Kritik an jenem von Wrabetz. Punkto organisatorischer Struktur fand Zeiler Grasls Konzept jedenfalls besser: "Mir erscheinen eigene Direktoren für Fernsehen, Radio und Digitales sinnvoller als eine Organisationsstruktur, bei der alle Channel-Manager automatisch dem Generaldirektor berichten. Ich kenne keinen einzigen Fernsehsender auf der Welt, in dem der Generaldirektor nicht nur für Strategie verantwortlich ist, sondern auch sein eigener Programmintendant für alle Fernseh-, Radio-, und Digitalangelegenheiten ist. Das kann jeden nur überfordern. Selbst ich würde mir das nicht zutrauen."

Der renommierte Medienmanager äußerte auch einen konkreten Sparvorschlag. "Ich würde mir zumindest die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, fünf Millionen Euro für ein Frühstücksfernsehen auszugeben. Das geht günstiger, wenn man es im Studio produziert. Und generell: Ist Frühstücksfernsehen wirklich eine Priorität der österreichischen Konsumenten? Wenn man sich an den Bedürfnissen der Konsumenten orientiert, gibt es viel zum Umschichten. Da sollte man vor Tabus nicht zurückschrecken – und auch nicht davor, manchmal seine eigenen Entscheidungen zu revidieren", so Zeiler im "profil".

Der ORF werde sich noch mehr an den Bedürfnissen der Konsumenten anpassen müssen, sagt Zeiler und nennt "zeitversetztes Fernsehen": "Ich selbst verbringe viel Zeit im Ausland, ich schaue die Nachrichtensendungen des ORF nur mehr in der TVThek an, die exzellent ist." Noch mehr als bisher müsse der ORF auf eigenproduziertes Programm setzen. Der große Vorteil des linearen Fernsehens gegenüber den Streamingdiensten sei der "Live-Charakter", so Zeiler, deswegen müsse der ORF "Sport, Nachrichten und Entertainment-Shows" forcieren. (APA, red, 12.8.2016)

  • Gerhard Zeiler hätte wohl Richard Grasl gewählt.
    foto: apa/helmut fohringer

    Gerhard Zeiler hätte wohl Richard Grasl gewählt.

Share if you care.