ORF-Gebühren: Grasl will mit Wrabetz an einem Strang ziehen

12. August 2016, 10:31
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Eine Erhöhung sei im "Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter", sagt der scheidende ORF-Finanzdirektor

Wien – Trotz seiner Niederlage bei der ORF-Wahl will Richard Gasl noch mithelfen, bis Jahresende eine Gebührenerhöhung im ORF-Stiftungsrat durchzubringen. Dies erklärte der von der ÖVP unterstützte ORF-Finanzdirektor, dessen Vertrag im Dezember ausläuft, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "trend". Grasl hält eine Erhöhung aus wirtschaftlichen Gründen für notwendig.

Laut ORF-Gesetz muss der öffentlich-rechtliche Sender alle fünf Jahre prüfen, ob es zu einer Anpassung der ORF-Gebühren kommt. Die vorerst letzte Anhebung fand 2012 statt. Die Inflation ist seit damals um 10,5 Prozent gestiegen, ein entsprechend hoher Gebührenantrag steht für den Herbst deshalb im Raum. Der alte neue ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wollte sich in der Frage bisher nicht festlegen. Eine Erhöhung sei "im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter", sagte Grasl nun dem "trend".

Zum STANDARD sagt er am Freitag: "Der Generaldirektor muss entscheiden, ob und in welcher Höhe er im November oder Dezember einen Gebührenantrag stellt. Da mein Vertrag bis zum Jahresende aufrecht ist, werde ich seinen Vorschlag jedenfalls unterstützen".

Mehrheit im Stiftungsrat wackelt

Politiker quer durch die Lager hatten zuletzt Kritik an einer möglichen Erhöhung geübt, darunter auch Medienminister Thomas Drozda (SPÖ). Die Entscheidung darüber trifft freilich der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat. Dort erreichte der von der SPÖ favorisierte Wrabetz bei seiner Wiederbestellung eine knappe Mehrheit von 18 Stimmen, darunter vier Belegschaftsvertreter. Die Betriebsräte sind – wie berichtet – bei einem Votum über die Gebührenfestlegung allerdings laut Gesetz nicht stimmberechtigt. Wrabetz bräuchte für eine Gebührenerhöhung also die Stimmen der Grasl-Unterstützer. Oder wie es Grasl erklärt: "Die Mehrheit im Stiftungsrat ist in dieser Frage ja keineswegs eindeutig." Der Finanzdirektor will jedenfalls auf "seine" Partei einwirken und mithelfen, "den Stiftungsrat von der Notwendigkeit einer Gebührenerhöhung zu überzeugen".

Was der Kaufmännische Direktor nach seinem Ausscheiden aus dem ORF macht, lässt er offen. Spekuliert wird über einen Job in der Geschäftsführung der Mediaprint ("Kronen Zeitung" und "Kurier"), auch private österreichische TV-Sender seien demnach eine mögliche Adresse, ein Wechsel in die Glücksspielbranche sei ebenfalls nicht ausgeschlossen. (APA, red, 12.8.2016)

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  • Richard Grasl will noch helfen, eine Gebührenerhöhung durchzubringen. Als ORF-Finanzdirektor ist er noch bis Ende 2016 im Amt.
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    Richard Grasl will noch helfen, eine Gebührenerhöhung durchzubringen. Als ORF-Finanzdirektor ist er noch bis Ende 2016 im Amt.

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