Urteil: Vater muss Whatsapp von Smartphones seiner Töchter löschen

12. August 2016, 11:45
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Gericht sieht nach anhaltender sexueller Belästigung "Gefahr für Privatsphäre und Entwicklung" durch Messenger

Die Frage, welche Verantwortung einem Informationskanal in der Übermittlung einer Nachricht zukommt, ist mindestens so alt wie die Erfindung der Schrift. Eine endgültige Antwort wurde darauf noch nicht gefunden, also wird diese Diskussion mit jeder neuen Innovation frisch verhandelt. Aktuellster Schauplatz: Messenger. Und hier hat ein deutsches Gericht nun eine recht eindeutige Aussage getroffen.

Whatsapp-Blockade

In einem aktuellen Urteil des Amtsgerichts Bad Hersfelden wird ein Vater dazu verpflichtet, Whatsapp und andere Messenger von den Smartphones seiner Töchter zu entfernen, wie "heise.de" berichtet. Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme ist eine mehr als ein Jahr anhaltende Reihe von Vorfällen, in denen die beiden jungen Frauen im Alter von elf und 16 Jahren via Whatsapp-Nachrichten sexuell belästigt wurden. Das Gericht sieht in der angeordneten Maßnahme nun den einzigen effektiven Weg, weitere solche Gefahren von den beiden abzuwehren.

In dem Urteil finden sich aber auch ganz generell wenig freundliche Worte über den Messenger: Dieser stelle für Kinder und Jugendlich unter 16 Jahren "grundsätzlich eine Gefahr für ihre Privatsphäre und ihre Entwicklung dar". Dies gelte vor allem dann, wenn sie "keinen ausgeprägten verantwortungsvollen Umgang mit den Funktionen und den Risiken aufgezeigt bekommen haben".

Diskussion

Dazu passend wurde der Vater zusätzlich dazu verurteilt, monatlich ein Gespräch mit seinen Töchtern über ihre Smartphonenutzung zu führen sowie alle drei Monaten zu überprüfen, welche Apps auf den Geräten installiert sind. Ganz allgemein übt das Gericht Kritik an vielen Eltern, die sich der Gefahren, die mit einem Smartphone einhergehen, nicht bewusst sind, und diese ohne jegliche Überwachung ihren Kindern aushändigen.

Interessant sind auch die Umstände, wie es überhaupt zum Prozess gekommen ist. Die ältere der beiden Töchter hatte die gesamte Angelegenheit selbst ins Rollen gebracht, da sie einen ehemaligen Schulfreund ihres Vaters hinter den belästigenden Nachrichten vermutete. Dies wiederum veranlasste die Mutter dazu, eine Entziehung des Sorgerechts für den mittlerweile in Scheidung lebenden Vater zu veranlassen. Diesen Antrag zog sie zwar in weiterer Folge zurück, das Gericht entschied sich aber dafür, dem Vater stattdessen die erwähnten Auflagen zu erteilen. (red, 12.8.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/afp/getty images/justin sull
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