Feiertag: Fidschis Rugby-Team gewinnt Gold

Video12. August 2016, 17:09
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Überlegener 43:7-Finalerfolg gegen Großbritannien – Regierung des Landes erklärt nach historisch erster Medaille den 22. August zum Feiertag – Bronze an Südafrika

Rio de Janeiro – Die Rugby-Männer des kleinen Inselstaats Fidschi haben nicht nur die erste Olympia-Medaille für ihr Land gesichert, sondern gleich Gold gewonnen. Im Siebener-Rugby fertigte das favorisierte Team des südpazifischen Landes Donnerstag um Mitternacht im Finale von Rio de Janeiro Großbritannien mit 43:7 ab.

Im Halbfinale hatte sich Fidschi gegen Japan durchgesetzt. Die Asiaten unterlagen im Spiel um Platz drei Südafrika mit 14:54. Die Südafrikaner wiederum hatten sich etwas überraschend im Halbfinale Team GB mit 5:7 geschlagen geben müssen. Neuseeland, das das Siebener-Rugby in den vergangenen beiden Jahrzehnten meist dominierte, scheiterte im Viertelfinale an Fidschi und belegte nur Rang fünf.

Rugby ist nach einer langen Pause von 92 Jahren wieder olympisch – ganz neu ist dabei allerdings die besondere Variante des Spiels: Im Gegensatz zum klassischen Format bilden nicht 15, sondern nur sieben Spieler eine Mannschaft. Die Spielzeit ist mit zweimal sieben Minuten (anstatt zweimal 40) drastisch verkürzt.

Ausnahmezustand und Feiertag

Nach dem Triumph designierte die Regierung Fidschis den 22. August 2016 zum Feiertag erklärt. Das Ereignis des ersten Olympiasieges werde mit "großen Feierlichkeiten" begangen, kündigte Justizminister Aiyaz Sayed-Khaiyum an.

Nach dem Sieg der Rugby-Helden verwandelten die rund 900.000 Einwohner ihre Heimat in eine riesige Partyzone. "In jeder Ecke des Landes wird gefeiert", berichtete die Fiji Times, das Jubilieren werde ganz sicher "über das Wochenende hinaus bis weit in die nächste Woche anhalten". Fiji-Air kündigte an, auf seinen Flügen "Goldbier" auszuschenken. Banken und Geschäfte machten zwischen zehn und halb elf Uhr Ortszeit spontan zu – und danach nicht mehr auf.

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Eine Insel feiert ihre Helden.

Die Männer, die den Freudentaumel ausgelöst hatten, waren im Moment ihres größten Sieges ganz bei sich. Nachdem sie wie ein Taifun über die Erfinder des Spiels hinweggefegt waren, bildeten die muskelbepackten Helden in Weiß-Schwarz einen Kreis. Leone Nakarawa, der einzige Profi und mit 1,98 m größter Fidschianer, hob die rechte Faust, dann hob das bekannt sangesfreudige Team – Gefängniswärter, Polizisten und Soldaten – mit ihm an, donnernd die Rugby-Hymne "Vanua domoni" zu schmettern.

"Nicht den Hauch einer Chance"

"Mir fehlen die Worte", sagte Coach Ben Ryan, ein Engländer aus Wimbledon: "Die Burschen waren mehr als phänomenal." Seine Landsleute hätten gegen den Sieger der World Series "nicht den Hauch einer Chance" gehabt. Kapitän Osea Kolinisau legte nach nur 57 Sekunden den ersten Versuch, sechs weitere folgten. "Wir haben sie weggeblasen", sagte Ryan stolz. Der britische Trainer James Rodwell nannte Fidschi "untouchable", nicht von dieser Welt.

Auf der Tribüne feierten ein paar Hundert Anhänger aus der Südsee. Fast alle hatten die hellblaue Landesflagge mit dem Union-Jack dabei, viele tanzten trotz kühler Temperaturen mit freiem Oberkörper durch die Sitzreihen. Zu Hause in Suva, der Hauptstadt des Landes, kletterten die Fans im Überschwang auf Autos oder die Dächer ihrer Häuser.

"Das ist die Mannschaft einer ganzen Nation", sagte Ryan, "das ganze Land hat uns zugesehen, alle werden von unserer Leistung begeistert sein." Mit Silber, hatte er vor dem Finale gesagt, werde sich keiner zufrieden geben. Tatsächlich war bei den Hünen die Erleichterung groß, als sie sich auf dem Siegerpodest hinknieten, um von Prinzessin Anne die Goldmedaillen zu empfangen.

"Ich habe zu den Burschen gesagt: Passiert das gerade wirklich? Haben wir echt Gold?", berichtete Kapitän Kolinisau. Der Partymeute in der Heimat rief er zu: "Dieser Sieg ist für ganz Fidschi und die Pazifischen Inseln!" Nach den Entbehrungen der letzten Monate hatte Kolinisau einen Wunsch: "McDonalds! Ich freue mich jetzt echt auf einen Big Mac." (sid, APA, red 12.8.2016)

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  • Public Viewing im ANZ stadium in Suva auf Fidschi.
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