Dopingtest von Kenia-Coach: Eine ziemliche skurrile Geschichte

12. August 2016, 05:54
164 Postings

Von einem Trainer aus Kenia, der doch nicht für seinen Athleten eine Urinprobe abgab

Rio de Janeiro – Es klang nach einer recht bizarren Geschichte, aber was Doping angeht, hat man schon viel Seltsames gehört. Ein kenianischer Leichtathletik-Trainer soll statt seines Athleten beim Dopingtest Urin abgegeben haben. Aber die Geschichte stellte sich dann doch als Ente heraus. Trainer John Anzrah habe keine falsche Urinprobe abgegeben, erklärte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Freitag.

Demnach habe sich der Trainer im Kontrollbereich mit einer falschen Akkreditierung aufgehalten und sei von einem Doping-Kontrolleur aufgefordert worden, eine Probe abzugeben. Noch bevor Anzrah dies tat, sei die Verwechslung jedoch aufgefallen, erklärte das IOC.

Am Donnerstag war zunächst bekannt geworden, dass sich Anzrah für seinen Schützling, den 800-m-Läufer Ferguson Rotich (30) ausgegeben habe. Anzrah soll die Urinprobe abgegeben haben und anschließend das Testprotokoll für Rotich unterschrieben haben. Das kenianische Leichtathletik-Team hatte Anzrah daraufhin von den Spielen verbannt. "Das Vergehen, das er begangen hat, richtet sich gegen das Team Kenia. Deshalb haben wir ihn nach Hause geschickt", hatte Kenias Chef de Mission Stephen Arap Soi dem Fernsehsender Citizen TV gesagt. " So ein Verhalten können wir nicht tolerieren", sagte Leichtathletik-Legende Kip Keino, Vorsitzender des kenianischen Olympischen Komitees.

Das IOC hatte sich noch für das "rasche Handeln" bedankt. Um den Fall zu untersuchen, hatte das IOC eine Kommission gegründet, die nun zu den neuen Ergebnissen kam. "Die Ermittlungen dauern noch an", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Zuvor war bereits der Delegationsleiter der kenianischen Leichtathleten, Michael Rotich, von den Spielen aus Rio verbannt worden. Er war in einem Beitrag der ARD-Dopingredaktion und der Sunday Times gezeigt worden, wie er vor versteckter Kamera anbot, den Zeitpunkt von Dopingkontrollen an betroffene Sportler zu verraten. Für die Vorwarnungen verlangte Rotich einen Betrag von 10.000 Pfund (rund 15.000 Euro). Er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. (sid, red, 12.8.2016)

  • Einfallsreich: Statt Ferguson Rotich erschien sein Trainer zur Kontrolle.
    foto: reuters/song

    Einfallsreich: Statt Ferguson Rotich erschien sein Trainer zur Kontrolle.

Share if you care.