Ex-Premier Yilmaz: Türkei fühlt sich von Europa im Stich gelassen

11. August 2016, 22:39
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Erdogan-Kritiker kritisiert in der ZIB2 insbesondere österreichische Haltung

Istanbul/Wien – Der frühere türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz hat die Haltung der EU und insbesondere Österreichs zu seinem Land nach dem fehlgeschlagenen Militärputsch scharf kritisiert. Die Türkei fühle sich von Europa im Stich gelassen, man sei immerhin "nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen", sagte der Kritiker von Präsident Tayyip Erdoğan Donnerstagabend in der ZiB2.

Er habe immer die Demokratie als europäische Tugend erachtet, deshalb erwarte er sich Solidarität mit dem türkischen Volk, betonte Yilmaz. Erdoğan sei eine zentrale Figur bei der Niederschlagung des Putsches gewesen, er habe nun hohes Ansehen, auch bei seinen Kritikern. Der erste Gratulant an die Türkei nach dem Scheitern des Putschversuchs sei bezeichnenderweise der russische Präsident Wladimir Putin gewesen.

EU-Sackgasse nicht aus Schuld der Türkei

Als "sehr bedauerlich" bezeichnete Yilmaz die österreichische Forderung nach einem Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen. Dies sei die "kurzsichtigste" und "undurchdachteste Reaktion" gewesen. Yilmaz räumte ein, dass sich die Beitrittsverhandlungen derzeit in einer Sackgasse befinden, dies sei aber nicht allein die Schuld der Türkei. So verwies er auch auf Forderungen in EU-Ländern wie Österreich, vor einem Beitritt der Türkei einen Volksentscheid durchzuführen.

Yilmaz, früherer Chef der Mitte Rechts-Partei ANAP und Schüler am österreichischen St.-Georgs-Kolleg in Istanbul, hatte am Mittwoch in einem Gastkommentar in der "Presse" geschrieben, am 15. Juli habe sich das türkische Volk bewusst dafür entschieden, "gemeinsam für eine demokratische Zukunft zu kämpfen sowie den Panzern der Putschisten entgegenzutreten. Das wird in Europa nicht entsprechend gewürdigt." (APA, 11.8.2016)

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