Für Trump ist Obama der Gründer der IS-Terrormiliz

11. August 2016, 21:34
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Donald Trump sorgt im US-Wahlkampf fast täglich für Skandal. Die Republikaner haben voll damit zu tun, ihn zu bändigen

Nach einer Runde heftiger Kon troversen mit Hillary Clinton hat Donald Trump einmal mehr den Präsidenten der USA ins Visier genommen: Auf einer Kundgebung in Sunrise bei Miami warf er Barack Obama vor, den "Islamischen Staat" überhaupt erst geschaffen zu haben. "Er ist der Gründer des IS", sagte der republikanische Kandidat fürs Weiße Haus. "Und ich würde sagen, die Mitbegründerin ist die betrügerische Hillary Clinton."

Vorerst lässt nichts darauf schließen, dass Trump zurücksteckt nach dem Furor um Redepassagen, die als Attentatsdrohung gegenüber seiner Rivalin verstanden werden konnten. Hatte sein Wahlkampfmanager Paul Manafort noch zu Wochenbeginn einen "Reset" angekündigt, eine Hinwendung zur politischen Mitte, so beweist der New Yorker Tycoon tagtäglich aufs Neue, dass er zu einem solchen Schwenk offenbar nicht in der Lage ist.

Dass er indirekt zur Gewalt gegen Clinton aufrief, als er ihr vorwarf, das Verfassungsrecht auf privaten Waffenbesitz kippen zu wollen, macht Trump im Nachhinein zu einer Geschichte über Journalisten, die partout alles aufbauschen: "Die können eine kleine Story, die eigentlich keine Story ist, zu einer ganz großen Sache aufblasen." Die Medien seien Teil jenes manipulierten Systems, gegen das er ankämpfe. Tatsächlich waren Trumps verklausulierte Äußerungen zur bewaffneten Gegenwehr gegen eine Präsidentin Clinton Grund genug, dass ihn die Personenschützer des Secret Service hinterher befragten.

"Schiefgegangener Witz"

Paul Ryan, als Vorsitzender des Abgeordnetenhauses derzeit ranghöchster Politiker der Repu blikaner, sprach von einem "schiefgegangenen Witz". Trump müsse das aus der Welt schaffen, forderte er. Bereits vor Jahren hatte sich Trump an die Spitze der "Birther"-Bewegung gesetzt, einer Gruppe konservativer Verschwörungstheoretiker, die sich zu der Behauptung verstieg, dass Obama statt auf Hawaii in Kenia geboren wurde, dass er also nicht auf amerikanischem Boden das Licht der Welt erblickte und daher gar nicht im Oval Office sitzen dürfe. Auch nachdem der Präsident seine Geburtsurkunde öffentlich gemacht und den "Birther"-Theorien den Zahn gezogen hatte, änderte Trump nichts am Kern seiner Anwürfe: Letztlich ging es darum, den Mann im Weißen Haus als Fremdkörper hinzustellen.

Nach dem Massenmord in einem Schwulenclub in Orlando kons truierte er eine Nähe Obamas zur islamistischen Terrorszene, zumindest eine gedankliche Nähe: Der Mann begreife entweder nicht, was da gerade passiere, oder er begreife es besser, "als wir alle verstehen", fabulierte Trump auf Fox News.

Am Mittwoch übte er sich in ähnlichen Andeutungen: "Das alles ist während der Amtszeit von Barack Hussein Obama passiert", sagte Trump, den Mittelnamen des Präsidenten betonend.

Clinton: Trump hilft Großkonzernen

Derweil hat Clinton in Warren, einer Industriestadt am Rande D troits, eine Skizze ihres wirtschaftspolitischen Programms entworfen. Der Fokus liegt auf Milliardeninvestitionen in eine vielerorts marode, veraltete Infrastruktur, deren Modernisierung die Demokratin als überfällig charakterisierte. Eine staatliche Infrastrukturbank soll die Voraussetzungen dafür schaffen. Massiven Steuersenkungen, wie Trump sie als Kern seines Konzepts dargestellt hatte, erteilte Clinton eine klare Absage. Ihr Rivale würde ebenso wie große Konzerne und Wall-Street-Millionäre enorm davon profitieren: Wenn denn stimme, wie er sein Vermögen beziffere, würde seine Familie allein durch den von ihm vorgeschlagenen Wegfall der Erbschaftssteuer vier Milliarden Dollar an Abgaben sparen.

Trumps Agenda, so Clinton, würde das Land zurück ins Tal der Rezession führen. Mit einem Handelskrieg gegen China und höheren Hürden für Immigranten hätte es zur Folge, dass die US-Wirtschaft mehr als drei Millionen Jobs verliere. Einige Handelsabkommen der Vergangenheit hätten sicher nicht die Versprechen erfüllt, mit denen sie der amerikanischen Wählerschaft verkauft worden seien. "Ich werde jeden neuen Vertrag stoppen, der uns Arbeitsplätze kostet und Löhne sinken lässt", betonte die Kandidatin. Dies gelte auch für TPP, die angepeilte transpazifische Freihandelszone. (Frank Herrmann aus Washington, 11.8.2016)

  • Donald Trump lässt keine Gelegenheit aus, um gegen seine direkte Konkurrentin im Wahlkampf, Hillary  Clinton, auszuteilen. Dabei leistet er sich nicht nur Fettnäpfchen, sondern auch veritable Skandale, die Republikanerchef Paul Ryan dann ausbügeln muss.
    foto: imago / upi photo

    Donald Trump lässt keine Gelegenheit aus, um gegen seine direkte Konkurrentin im Wahlkampf, Hillary Clinton, auszuteilen. Dabei leistet er sich nicht nur Fettnäpfchen, sondern auch veritable Skandale, die Republikanerchef Paul Ryan dann ausbügeln muss.

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