Italiens Banken: 12.000 Jobs weg

11. August 2016, 18:13
10 Postings

Bankfilialen zum Aussterben verurteilt: Bis 2020 ist bei den Geldhäusern in Italien der Abbau von weiteren 16.000 Stellen geplant

Mailand – "Die Bankfilialen sind wie die einstigen Telefonkabinen zum Aussterben, besser gesagt zur Schließung verurteilt", kommentierte der Präsident des Finanzdienstleisters Mediolanum, Ennio Doris, den bevorstehenden Aderlass bei Italiens Banken. Der Gewerkschaftsverband Fabi hat kürzlich Alarm geschlagen: Nachdem seit 2012 bereits 12.000 Stellen in den rund 600 italienischen Banken gestrichen wurden, sollen weitere 16.000 Jobs im Bankensektor dem Sparstift zum Opfer fallen.

Sämtliche Großbanken, von der Bank-Austria-Mutter Unicredit über Intesa Sanpaolo bis zur Problembank Monte dei Paschi di Siena (MPS), haben bereits mit Filialschließungen und einen drastischen Stellenabbau begonnen. Nun befürchten die Gewerkschaften, dass sich die Situation mit bis zu 5000 Kündigungen oder Frühpensionierungen pro Jahr weiterhin zuspitzen wird. Die bevorstehende Konsolidierung am italienischen Bankenmarkt dürfte den Personalabbauprozess noch beschleunigen. Zu Jahresbeginn 2017 ist das Zusammengehen der beiden Volksbanken Banco Popolare und Banca Popolare di Milano geplant. Zur Wochenmitte hat der neuernannte Präsident von Veneto Banca, Beniamin Anselmi, wissen lassen, dass seine Bank nach Ausgliederung der notleidenden Kredite mit Banca Popolare di Vicenza fusionieren könnte.

Fabi hat als Bemessungsgrundlage die 14 größten italienischen Banken und die vier inzwischen geretteten mittelitalienischen Banken genommen. Diese beschäftigen rund 90 Prozent der Mitarbeiter des gesamten Kreditapparats. Ausschlaggebend für den Aderlass ist die wachsende Digitalisierung, das neue Vertriebssystem, der nötige Kostenabbau, um die klägliche Rentabilität im Bankwesen zu verbessern.

Laut dem kürzlich veröffentlichten Stresstest der Bankenaufsicht Eba haben die fünf großen italienischen Banken seit 2012 gut 4000 Filialen geschlossen. Im März 2016 gab es in Italien noch 30.064 Zweigstellen. Eine Anzahl, die laut Zentralbankchef Ignazio Visco weiter reduziert wird. Über die höchste Anzahl an Filialen verfügt Intesa Sanpaolo mit 4174, gefolgt von Unicredit (3873) und MPS (2133). (tkb, 12.8.2016)

  • Nicht nur die Problembank Monte Paschi di Siena (im Bild die Zentrale in Siena) muss Jobs streichen, auch in andere Banken wackeln viele Stellen.
    foto: afp / giuseppe cacace

    Nicht nur die Problembank Monte Paschi di Siena (im Bild die Zentrale in Siena) muss Jobs streichen, auch in andere Banken wackeln viele Stellen.

Share if you care.