Doskozil rüstet bis 2020 die Luftstreitkräfte mit neuen Jets auf

11. August 2016, 17:53
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250 Millionen Euro sind für neue Hubschrauber und zur Modernisierung der Hercules-Transporter bereits verplant – aber der Verteidigungsminister braucht mehr: nämlich einen Nachfolger für die betagte Saab 105

Zeltweg – Hans Peter Doskozil hat keine Scheu, Werbung zu machen. Willig posiert er mit einer Dose Red Bull in der Hand. Ebenso willig vor einem Plakat für die Luftfahrtshow "Airpower 16". Und genauso locker vor einem Eurofighter. Der Eurofighter, einst von der Sozialdemokratie als angeblich fluguntauglich bekämpft, wird bei der "Airpower" am 2. und 3. September einer der Stars sein.

Das weiß der rote Minister. Und er weiß auch, dass er die Anziehungskraft von Stars brauchen wird, wenn er die ehrgeizigen Pläne zum Ausbau des Bundesheeres umsetzen und das dafür nötige Personal rekrutieren will.

Konkurrenz zur Polizei

Als ehemaliger Spitzenoffizier der Polizei weiß er auch, dass diese sich ebenfalls um die besten jungen Leute für Sicherheitsaufgaben bemüht – ein Konkurrenzverhältnis, das zwar nicht er selbst anspricht, das aber in Gesprächen mit Offizieren des Bundesheeres deutlich wird.

Bei der "Airpower", zu der die Veranstalter (Bundesheer, Land Steiermark und Red Bull) rund 300.000 Besucher erwarten, soll also kräftig geworben werden – nicht nur für den Energydrink, sondern vor allem auch für das Heer.

Genauer: für die Luftstreitkräfte. Für diese will Doskozil ein eigenes Kommando mit Standort in Salzburg einrichten. Eine solche Organisation hat es bereits bis vor zehn Jahren gegeben.

Vorführung der Abfangjagd

Benötigt werden Piloten und Pilotinnen sowie Techniker – für Gerät vom Hubschrauber bis zum Eurofighter. Was der Eurofighter an Manövern in der Luft vollführen kann, davon ließ Doskozil am Donnerstag in Zeltweg einen Vorgeschmack geben. Bei der eigentlichen Luftfahrtshow soll es zudem eine Demonstration eines Alarmstarts einer Eurofighter-Rotte geben, eine Abfangübung und einen Vorbeiflug sämtlicher Düsenflugzeug-Typen, die das Bundesheer je hatte.

Darunter der längstdienende Jet, die Saab 105. Ursprünglich wurde dieser Schulterdecker als leicht bewaffnetes Trainingsflugzeug entwickelt – in Österreich wurden ab Juli 1970 insgesamt 40 Stück in Dienst gestellt. Nach Abstürzen und technischen Problemen ist davon nur noch die Hälfte im Einsatz.

Dazu kommt, dass die veralteten Flugzeuge spätestens im Jahr 2020 ihre Zulassung verlieren werden – schon jetzt können sie nur noch mit quasi "handgestrickten" Adaptionen (wie dem Ersatz des Flugfunks durch gebrauchte, aber modernere Funkgeräte) in Betrieb gehalten werden.

Multirole-Flieger zum Diskont-Preis

Doskozil muss also dringend für Ersatz sorgen, um die Luftflotte überhaupt weiter betreiben zu können. Die kleinen Jets haben nämlich (neben der ursprünglichen Rolle als "Jagdbomber") eine Aufgabe als Ausbildungs- und Trainingsflugzeug zu erfüllen. Ohne Ausbildung auf einem kleineren Jet kann man einen Piloten nicht an den Eurofighter heranführen. Auch wäre dies sehr unökonomisch: Der Betrieb der Eurofighter ist um ein Vielfaches teurer als der eines kleineren Jets.

Daher wird als Nachfolger ein Flieger gesucht, der ab 2019 gleich mehrere Aufgaben erfüllen kann: Das neue Flugzeug soll sowohl für das Pilotentraining ausgestattet sein (dafür braucht es ein Cockpit, das mit dem Eurofighter kompatibel ist) als auch Luftraumüberwachungs- und Kampfaufträge erfüllen können. Wenn es mehr Abfangjagden fliegen kann als die Saab 105, dann würde es teurere Eurofighter-Stunden ersparen – und damit insgesamt kostendämpfend wirken.

Infrage kommt dafür die Aermacchi M-346, ein von Alenia in Italien entwickeltes Flugzeug, auf dem österreichische Piloten bereits geübt haben, und die Hawk von BAE Systems. Beide Hersteller sind auch Partner im Eurofighter-Konsortium. Doskozil will die Beschaffung bis November einleiten – wobei er im Gespräch mit dem STANDARD durchblicken ließ, dass er eine Leasing-Variante einem Kauf vorziehen würde. Ob diese Variante überhaupt angeboten wird, ist allerdings offen. Bei der "Airpower" wird man vielleicht weitersehen.

Keine Türken-Flieger in Zeltweg

Fix ist übrigens, dass der Besuch türkischer Flieger ausfällt – mit einem formlosen Schreiben haben die türkischen Luftstreitkräfte ihre Teilnahme an der Airpower ohne Begründung abgesagt. "Vielleicht gar nicht schlecht, wenn die türkischen Kollegen angesichts der Situation nicht mitfliegen", meinte Doskozil trocken. (Conrad Seidl, 12.8.2016)

  • Werbung für die Luftstreitkräfte: Hans Peter Doskozil investiert 1,2 Millionen Euro in die Show "Airpower", weitere 2,4 Millionen kommen vom Land Steiermark und von Red Bull.
    foto: conrad seidl

    Werbung für die Luftstreitkräfte: Hans Peter Doskozil investiert 1,2 Millionen Euro in die Show "Airpower", weitere 2,4 Millionen kommen vom Land Steiermark und von Red Bull.

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