Shoah-Überlebender soll nach 70 Jahren Haus in Brünn zurückerhalten

11. August 2016, 17:30
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Laut Verfassungsgericht kommen übliche Verjährungsfristen in diesem Fall nicht zur Anwendung

Brno – Ein tschechischer Holocaust-Überlebender darf mehr als 70 Jahren nach der Enteignung auf die Rückgabe des Hauses seiner Großeltern hoffen. Das Verfassungsgericht in Brünn (Brno) entschied am Donnerstag, dass die üblichen Verjährungsfristen in diesem Fall nicht zur Anwendung kommen.

Das Haus, das die Großeltern im Jahr 1906 gekauft hatten, war Ende 1943 als jüdisches Eigentum von den Nazis enteignet worden. Nach Kriegsende beschlagnahmte es dann der tschechoslowakische Staat als ehemaliges Eigentum des Deutschen Reiches. Heute befindet sich eine Polizeiwache in dem Haus.

"Es geht in diesem Fall nicht nur um die Wiedergutmachung eines Unrechts, sondern auch um die Rückgabe eines Stücks Familienidentität, denn dem Kläger ist kein einziges Erinnerungsstück an die Großeltern und seine weiteren Verwandten geblieben", erläuterte Verfassungsrichter David Uhlir.

Weil die Nationalsozialisten den Mann im Alter von vier Jahren ins KZ verschleppt und den Rest seiner Familie getötet hatten, erfuhr er nur durch Zufall bei einer Archivsuche nach Familiendokumenten von dem einstigen Hausbesitz. Der Fall muss nun neu entschieden werden. (APA, 11.8.2016)

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