Nur Wasser

Kolumne11. August 2016, 16:21
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An der Copacabana sieht man ganz selten jemanden baden. Wer kein Sportler ist, muss nicht ins Wasser. Sportler müssen. Zum Beispiel finden die olympischen Triathlons am vielleicht berühmtesten Strand dieser Welt statt. Und da ein Triathlon, der nur aus Radfahren und Laufen besteht, Duathlon heißen und so was von gar nicht zählen würde, ist der Badegang unerlässlich. Nach einem Testevent berichteten die Triathleten, zumindest in Ufernähe habe das Meer ja noch sauber gewirkt. Doch einige Meter weiter draußen: igittigittigitt! Man glaube ja gar nicht, was alles im Meer herumschwimmen könne. Nämlich: alles.

Seinerzeit ist der große Schriftsteller und Wahlbrasilianer Stefan Zweig noch so richtig ins Schwärmen geraten. "Mächtig, grünschäumend wirft sich die Flut, Poseidons Gespann, mit den weißen Mähnen seiner Wasserrosse gegen den riesig breiten, hellleuchtenden Strand." Die Copacabana, schrieb Zweig, sei "im letzten gewissermaßen die Luxuskabine für das gigantische Bad an dem riesigen Strande". Doch das ist auch schon 75 Jahre her.

An vielen Tagen ist es mit Baden an der Copacabana quasi Essig. Etwas besser sieht es in Ipanema aus – weniger Abwässer, besseres Badewasser. Am Wochenende schlichten sich die Menschen hier wie die Ölsardinen. Wobei – Sonnenschein und Regenfälle wechseln manchmal fast im Minutentakt. Bei Regen flüchtet man am besten in eines der Lokale in Strandnähe, etwa in die "Garota", wo das berühmte Lied "The Girl from Ipanema" getextet worden ist. Da kann man sich gut von innen nassmachen. Manchmal fährt draußen ein Bus durch eine riesige Lacke, und das Wasser schwappt bis zur Theke herein. Egal. Ist ja nur Wasser. (Fritz Neumann, 11.8.2016)

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    foto: apa/expa/ johann groder
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