Bläuliches Sternenlabor in 4.600 Lichtjahren Entfernung

Video13. August 2016, 12:00
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Ein bläulich schimmernder Sternhaufen illustriert das Werden und Sterben von Sternen in unserer Milchstraße

Die Versammlung blau strahlender Sterne im oberen linken Teil dieser Aufnahme bildet die perfekte Umgebung, um das Leben und Vergehen von Sternen in unserer Milchstraße zu illustrieren: Der Messier 18 genannte Sternhaufen besteht aus zahlreichen Sternen, die einst aus derselben massereichen Gas- und Staubwolke hervorgegangen sind. Das Bild entstand mithilfe des VLT Survey Telescope (VST) am Paranal-Observatorium der ESO in Chile.

Messier 18 liegt rund 4.600 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Sagittarius (der Schütze) und besteht aus vielen miteinander verschwisterten Sternen, die gravitativ nur schwach aneinander gebunden sind. Er gilt daher als offener Sternhaufen. In der Milchstraße kennen wir inzwischen mehr als 1.000 offene Sternhaufen, die sich hinsichtlich ihrer Eigenschaften wie Größe und Alter zum Teil stark unterscheiden. Da alle Sterne in einem Haufen aus derselben Materie entstanden sind, liefern sie Astronomen wichtige Informationen darüber, wie Sterne entstehen, sich entwickeln und sterben.

Aus der blauen und weißen Farbe der Sternpopulation in Messier 18 können die Forscher schließen, dass die Sterne in dem Haufen sehr jung sind, vermutlich nur etwa 30 Millionen Jahre. Da die einzigen Unterschiede zwischen den Sternen ihre unterschiedlichen Massen sind und sie dieselbe chemische Zusammensetzung sowie Entfernung zur Erde besitzen, kann man sie als Geschwister betrachten. Insofern eignen sich solche Sternhaufen gut, um die gängigen Theorien über Sternentstehung und -entwicklung zu verbessern.

european southern observatory (eso)
Video: Zoom auf den Sternhaufen Messier 18

Wolke als gemeinsame Urheimat

Astronomen wissen heutzutage, dass sich die meisten Sterne in Sternhaufen gebildet haben und alle Sterne eines Haufens in derselben Gaswolke geboren wurden, die vorher aufgrund ihrer eigenen Anziehungskraft in sich zusammengefallen war. Die Wolke aus übrig gebliebenem Gas und Staub, die die neugeborenen Sterne umschließt, wird oftmals von den starken Sternwinden weggeblasen, sodass die gravitative Bindung, die dafür sorgt, dass die Sterne sich nicht voneinander entfernen, abnimmt.

Mit der Zeit gehen durch Wechselwirkungen mit anderen benachbarten Sternen oder massereichen Gaswolken immer mehr Geschwistersterne verloren, was sich auch auf diesem Bild gut erkennen lässt. Unser eigener Stern, die Sonne, war mit großer Wahrscheinlichkeit zu Beginn ihres Lebens auch Teil eines Sternhaufens, der Messier 18 sehr ähnlich gewesen sein dürfte, bis die Begleitsterne der Sonne allmählich in der Milchstraße verstreut wurden.

Die dunklen Bereiche, die sich durch das Bild ziehen, sind dunstige Filamente aus kosmischem Staub, die das Licht der dahinter liegenden Sterne blockieren. Die lichtschwachen rötlichen Wolken, die sich vom Hintergrund absetzen und zwischen den Sternen hindurchschlängeln, bestehen aus ionisiertem Wasserstoffgas. Das Gas leuchtet, da junge, extrem heiße Sterne wie diese intensives ultraviolettes Licht emittieren, welches die Elektronen aus dem umgebenden Gas löst und das schwache Leuchten verursacht, das man in diesem Bild sieht.

Unter den entsprechenden Bedingungen könnte diese Materie eines Tages in sich zusammenfallen und der Milchstraße sogar eine neue Generation an Sternen liefern – ein Sternentstehungsprozess, der unbegrenzt weiter gehen kann. (red, 13.8.2016)

  • Messier 18, hier links oben, besteht aus jungen Sternen, die kaum mehr als 30 Millionen Jahre alt sind.
    foto: eso

    Messier 18, hier links oben, besteht aus jungen Sternen, die kaum mehr als 30 Millionen Jahre alt sind.

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