"Hausdurchsuchung" bei Drogendealer bringt fünf Pinzgauer ins Gefängnis

11. August 2016, 16:09
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Harte Urteile für Burschen, die Wohnung in Bundesheer-Uniformen nach Gras durchsuchten

Salzburg – Der Konsum von Haschisch und Gras hat fünf Burschen aus dem Salzburger Pinzgau bei der Besorgung der Drogen besonders einfallsreich werden lassen: Die vier 20-Jährigen und ein 18-Jähriger beraubten zwei Dealer mit einer Schreckschusspistole und führten bei einem weiterem Dealer in Bundesheer-Bekleidung eine Hausdurchsuchung durch. Der Dealer fand das nicht lustig und verständigte die Polizei. Am Donnerstag mussten sich die jungen Männer am Salzburger Landesgericht vor einem Schöffensenat verantworten.

Der hauptangeklagte 20-Jährige, der bereits zweimal vorbestraft ist, soll die Federführung bei den Übergriffen auf die Drogendealer gehabt haben. Er sitzt seit seiner Festnahme im Februar in U-Haft, bekannte sich am Donnerstag schuldig und zeigte sich geständig. Er habe immer wieder kleine Mengen an Gras und Dope an Freunde und Bekannte vercheckt, auch 14-Jährigen habe er Drogen gegeben, gestand er ein. Selbst rauchte er ebenfalls gerne Cannabis. "I brauch des Zeig, um abzuschalten und die ganzen Probleme zu vergessen", erklärte er der Richterin Stephanie Schmid.

Dealer sagte: "Knall mich ab"

Den ersten Überfall auf einen Dealer verübte der 20-jährige Erstangeklagte mit dem 18-Jährigen in einem Park in Innsbruck im Sommer 2015. "Wir haben ausgemacht, dass wir was zum Rauchen aufstellen sollen", sagte der Pinzgauer. Er hielt einem Marokkaner, mit dem er zuvor ausgemacht hatte, bei ihm 300 Gramm Gras zu kaufen, eine Schreckschusspistole an den Kopf, um ihn einzuschüchtern, sagte der Angeklagte. Der Marokkaner habe aber nicht wie gewünscht reagiert. "Der hat einfach gesagt, ich soll ihn abknallen", schilderte der 20-Jährige, gegen den seit 2014 auch ein Waffenverbot aufrecht ist. Der Raub blieb beim Versuch.

Ende Jänner war der 20-Jährige mit einem anderen Mitangeklagten erfolgreicher. In Salzburg raubten sie einem Dealer 100 Gramm Cannabis und versetzten ihm mehrere Faustschläge. An dem habe er sich rächen wollen, wegen der "Scheiß-0,8er-Packerl", die der Marokkaner aber als ein Gramm verkaufte. "Wir wollten ihm nur das Gras wegnehmen – dass das so eskaliert, war nicht geplant."

Safterln in der Disco vor der Dealer-Razzia

Nur die Schein-Hausdurchsuchung bei einem ihm bekannten Dealer konnte er so nicht bestätigen. Er habe an die Nacht keine Erinnerungen mehr. Dies könnte an den "Safterln" liegen, die die vier beteiligten Burschen am 2. Mai zuvor in einer Disco getrunken haben, wie einer der Beteiligten, der sich schon noch erinnern kann, vor Gericht aussagte.

Als sie mit dem Auto wegfuhren, seien sie noch normal angezogen gewesen. Im Auto lag dann die Bundesheer-Uniformen, die sie sich überstreiften, bevor sie bei dem Dealer läuteten. "Der hat sicher was daheim", habe der Erstangeklagte gesagt, schilderte ein Mitangeklagter. Einer der Burschen schrie: "Hausdurchsuchung", und der Hauptangeklagte richtete eine Waffe auf den Dealer. Dieser rief die echte Polizei.

Gras nur mittelmäßig

Das Gras, das sie beim Hauptangeklagten zu kaufen bekamen, sei von der Qualität her mittelmäßig gewesen, erklärten zwei der Angeklagten. Richterin Stephanie Schmid. "Warum haben Sie es bei ihm gekauft, wenn es mittelmäßig war?", fragte die Richterin. "Ich kannte sonst niemanden", sagte der 18-Jährige. Er soll bei einem Raubüberfall auf einen Dealer in Innsbruck beteiligt gewesen sein. Angeklagt ist er zusätzlich noch wegen sexueller Handlungen mit Unmündigen. Die 13-jährigen Mädchen seien seine Freundinnen gewesen, er habe nicht gewusst, dass das strafbar sei.

Die Strafen fielen hart aus: Der Hauptangeklagte geht viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Zwei Komplizen, die zuvor unbescholten waren, bekamen zweieinhalb Jahre Haft, davon 10 Monate unbedingt und zwei Burschen drei Jahre davon ein Jahr unbedingt. Den angeklagten Suchtmittelkonsum der beteiligten Burschen stellte Richterin Schmid diversionell ein. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Weder die Staatsanwältin noch die Verteidiger gaben eine Erklärung ab. (Stefanie Ruep, 11.08.2016)

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