Prozess um Aquarium und Geschirrtücher

12. August 2016, 06:00
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Eine 26-Jährige soll sich nach Beziehungsende geweigert haben, ihrem Ex seine Sachen wiederzugeben. Sie leugnet, die Beweislage ist unklar

Wien – Eines kann man mit Sicherheit sagen: Das Beziehungsende zwischen Yvonne S. und Sebastian T. war nicht ganz friktionsfrei. Was der Grund ist, warum die 26-Jährige aus Wien-Floridsdorf nun mit einer Anklage wegen Unterschlagung und Urkundenunterdrückung vor Richterin Gerda Krausam sitzt.

Rund vier Monate habe man in ihrer Wohnung zusammengelebt, erzählt die unbescholtene Angestellte. "Er ist mit Sack und Pack bei Ihnen eingezogen?", interessiert Krausam. "Ja." – "Und wer hat die Beziehung beendet?" – "Ich." Ihr Ex wird später sagen, dass das nicht so klar gewesen sei.

Unbestritten ist jedenfalls, dass der Deutsche am 19. Dezember einen Teil seiner Sachen abgeholt hat. Dann wird es kompliziert. Denn es geht um die Frage, ob er am 3. Jänner auch den Rest bekommen hat, wie die Angeklagte behauptet. T. widerspricht, seine Privatbeteiligtenvertreterin hat eine lange Liste vorgelegt und will für ihren Mandanten exakt 8.503 Euro.

Wasserkocher und Playstation

In der Zusammenstellung finden sich durchaus interessante Posten. Ein großes Aquarium, aber auch Wasserkocher und Geschirrtücher. S. bleibt dabei: T. habe am 3. Jänner alles abtransportiert, das Aquarium sei zerbrochen, als er den Türstock touchierte. Eine Playstation, um die es auch geht, habe er ihr geschenkt, da er sich an den Energiekosten nicht beteiligen konnte. Die Geburtsurkunde und den deutschen Sozialversicherungsausweis habe er jedenfalls sicher mitgenommen.

"Und warum hat er dann am 28. Jänner eine Anzeige gemacht?", wundert sich Krausam. "Weiß ich nicht. Er hatte immer Schulden, ich glaube, er will Geld." – "Na ja, vielleicht sagen Sie nicht die Wahrheit? Wenn Sie ihm das aus Zorn nicht geben, ist das Unrecht relativ gering." S. bleibt bei ihrer Darstellung. Sie legt auch Whatsapp-Protokolle vor, die sich allerdings in beide Richtungen auslegen lassen.

Ausgetauschte Schlösser

Den Auftritt ihres ehemaligen Partners ignoriert S., sie schaut stur nach vorne. T. bestätigt als Zeuge, dass er mit seiner Exfrau am 3. Jänner dort gewesen ist, aber nur ein paar Sachen geholt hat. "Das war ein kleiner Wagen, da passt ja kein Aquarium hinein!" Am 7. Jänner wollte er den Rest holen, behauptet er, da stand er aber vor verschlossener Türe – S. hatte die Schlösser ausgewechselt. Ebenso im Keller, wo laut ihm die Kiste mit seinen Urkunden steht.

Während seine Exfrau seine Version stützt, widerspricht die Mutter der Angeklagten, die am 3. Jänner in der Wohnung gewesen ist. Die logische Folge: Ein rechtskräftiger Freispruch im Zweifel. (Michael Möseneder, 12.8.2016)

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