Türkei ruft Russland zu gemeinsamem Kampf gegen den IS in Syrien auf

11. August 2016, 17:03
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Außenminister Çavuşoğlu: Türkische Militär- und Geheimdienstvertreter zu Gesprächen in Moskau

Ankara/Moskau –Nach der Aussöhnung mit Russland hat die Türkei die Regierung in Moskau zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien aufgefordert. Die Idee für gemeinsame Operationen "liegt auf dem Tisch", sagte Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Donnerstag dem türkischen Sender NTV.

"Die Terrororganisation ist unser aller Feind. Lasst uns alle gemeinsam gegen diese Terrororganisation kämpfen", so Çavuşoğlu. Der Minister sagte: "Sowohl zwischen den Präsidenten (Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin, Anm.) als auch zwischen den Militärs soll ein schneller Informationsaustausch bezüglich Entwicklungen und Maßnahmen erfolgen." Bereits vor der Krise habe die Türkei Russland dazu aufgerufen, gemeinsam gegen den IS vorzugehen.

Çavuşoğlu kündigte an, die Türkei werde sich wieder mit Luftangriffen am internationalen Kampf gegen den IS in Syrien beteiligen. "Wir müssen alle gemeinsam gegen Daesch (arabischer Name für den IS) kämpfen", sagte er. "Wir werden uns mit unseren Flugzeugen aktiv an den Operationen beteiligen."

"Wir mögen anders danken, was Assad betrifft"

Die türkische Luftwaffe hatte Ende November im syrischen Grenzgebiet einen russischen Kampfbomber abgeschossen und damit eine schwere Krise mit Moskau ausgelöst. Aus Angst vor russischer Vergeltung stellte die Regierung in Ankara danach Luftangriffe gegen den IS in Syrien ein. Am Dienstag hatten Erdoğan und Putin in St. Petersburg die Beilegung der Krise beschlossen.

Russland unterstützt das Regime in Damaskus, während die Türkei die Ablösung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad fordert. Çavuşoğlu räumte ein: "Wir mögen anders denken, was Assad betrifft."

Russland nahm indes Ziele nahe der IS-Hochburg Raqqa ins Visier. Sechs Bomber hätten südöstlich, nördlich und nordwestlich der Stadt IS-Stützpunkte angegriffen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Menschenrechtsbeobachter und Ärzte aus dem Krankenhaus in Raqqa sprachen von mindestens 25 Toten und 70 Verletzten.

Kritik an Patriot-Abzug

Der russische Militärexperte Michail Chodarjonok sagte, Moskau bereite mit den Attacken möglicherweise einen massiven Angriff syrischer Regierungstruppen auf Raqqa vor. "Es wirkt so, als sollten vor einem Sturm der Stadt IS-Kräfte blockiert werden", sagte der frühere Vertreter des Generalstabs der Agentur Interfax zufolge.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach mit seinem neuen britischen Kollegen Boris Johnson bei einem Telefonat über die Lage in Syrien. Die Ressortchefs hätten die humanitäre Situation und den Kampf gegen den Terror in dem Bürgerkriegsland erörtert, hieß es.

Ankara äußerte indes Kritik am Abzug der "Patriot"-Raketensysteme durch Nato-Verbündete wie die USA und Deutschland. "Unsere Erwartung an die Nato ist, dass sie konkret Unterstützung leistet, wenn die Türkei bedroht wird, nicht nur mit Worten", sagte Cavusoglu. "In der Zeit, in der die Bedrohung der Türkei immer mehr zunahm, haben manche Nato-Länder, die unsere Verbündeten sind, ihre "Patriot"-Batterien abgezogen." (APA, 11.8.2016)

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